Herner Dreierhagel knickt die Veilchen

Mit dem vierten Sieg im fünften Spiel haben Hernes Bundesliga-Basketballerinnen ihren Platz im oberen Tabellendrittel gefestigt und sich damit ordentlich Winterspeck für die kommenden schweren Aufgaben angefuttert. Aber obwohl sein Team die Vorgaben souverän umsetzte und dem braven Aufsteiger nie eine ernsthafte Chance ließ, war Marek Piotrowski mit dem Auftritt nicht restlos zufrieden.

„Die erste Halbzeit war nicht schlecht, aber die zweite hat dann doch viele Wünsche offen gelassen“, merkte der HTC-Headcoach kritisch an. Insbesondere die nachlassende Intensität in der Verteidigung gefiel ihm gar nicht. „In der ersten Hälfte haben wir Göttingen bei zwanzig Punkten gehalten, in der zweiten haben wir vierzig zugelassen. Also haben wir um 50 Prozent abgebaut“, machte Piotrowski eine einfache Rechnung auf. „Da ist noch viel Luft nach oben.“
Alles andere wäre aber auch ein Wunder. Schließlich steht ein komplett neues Team für Herne auf dem Parkett, und das zeigt schon deutlich mehr als nur gute Ansätze. Das frühe Pressen schon in der gegnerischen Hälfte und der Wechsel von Mann- zur Zonenverteidigung setzte den Veilchen mächtig zu, erlaubte ihnen kaum freie Würfe und provozierte bis zur Pause bereits 15 Göttinger Ballverluste. In der Offense gab es neben schönen Spielzügen zwar manches Missverständnis, auf seine Treffsicherheit von außen aber konnte der HTC auch diesmal bauen. Mit elf Dreiern bei 20 Versuchen hatte Herne eine exzellente 55-Prozent-Quote, und weil sich fast jede Spielerin Würfe von jenseits der 6,75m-Linie zutraute, war das für Göttingen kaum zu verteidigen.
So entwickelte sich in der H2K-Arena schnell eine eher einseitige Partie. Zwar gelang Göttingens Casey Smith der erste Korb, aber das sollte die einzige Führung der Gäste bleiben. Der HTC antwortete mit Körben von Courtney Range und Beatrice Attura, vier Freiwurfpunkten von Loyce Bettonvil und einem ersten Dreier durch Karin Kuijt, und schon nach vier Minuten stand eine komfortable 11:2-Führung auf der Anzeigetafel. Nach mehreren Wechseln verlor der HTC kurzzeitig etwas den Faden und ließ die Veilchen noch einmal auf 16:13 (10.) herankommen, ehe Katlyn Bussey und Jill Bettonvil das erste Viertel mit zwei Dreiern abschlossen.
Im zweiten Abschnitt legte der HTC dann noch einmal zu, hielt das Tempo hoch und nahm vor allem Göttingens Alissa Pierce fast komplett aus dem Spiel. Weil sich auch die kräftige 1,96m-Centerin Verdine Warner unter dem Brett kaum noch in Szene setzen konnte, fehlten den Veilchen die offensiven Optionen. Die Hernerinnen hingegen trafen weiter hochprozentig und zogen unaufhaltsam davon. Mit 23 Punkten Vorsprung ging es in die Kabine, die Partie war im Grunde bereits entschieden.
Nach Wiederbeginn ließen die Gastgeberinnen die Zügel ein wenig schleifen. Dreimal binnen weniger Sekunden durfte Marissa Janning fast ungehindert zum Herner Korb ziehen, auch Casey Smith fand nun öfter Platz und Zeit für ihre Würfe. Eng wurde es dennoch nicht, weil auch die Hernerinnen kontinuierlich punkteten. Meist pendelte die Führung zwischen 20 und 25 Punkten. Und als die Veilchen in der Endphase des dritten Viertels mit einem 9:0-Run auf 43:59 verkürzt hatten, erstickte Courtney Ranges Dreier mit der Sirene eventuell aufkeimende Göttinger Hoffnungen.
Noch aber gaben sich die Gäste nicht geschlagen. Als Pierce Mitte des Schlussviertels einen Dreier versenkte und Warner gleich darauf die Kugel in die Herner Reuse stopfte, war Göttingen fast schon in Schlagdistanz (72:58/36.). Attura mit zwei Freiwurfpunkten und Jill Bettonvil mit ihrem zweiten Dreier sorgten aber schnell wieder für klarere Verhältnisse und ersparten ihrem Team eine spannende Schlussphase. So durften am Ende auch Laura Zolper, Laura Pooch und Nela Krizanovic noch ein paar Minuten Bundesligaluft schnuppern.

Qelle: Wolfgang Volmer, WAZ

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