HTC-Damen kämpfen den Meister nieder

Herner TC - TSV Wasserburg 79:75

HTC-Damen sind seit einem Jahr zuhause ungeschlagen.
In einem dramatischen Endspurt holt Wasserburg fast einen 64:74-Rückstand auf.

Auch der Meister konnte die Festung nicht stürmen. In einem dramatischen Kampf voller Emotionen und Leidenschaft wehrten Hernes Basketballerinnen den Angriff des TSV Wasserburg ab, behielten auch im achten Heimspiel der Saison die Oberhand und sind damit ein ganzes Jahr lang in der H2K-Arena ungeschlagen.

Die letzte Heimschlappe datiert vom 18. Februar 17. Wie der Gegner hieß? Natürlich Wasserburg, das sich auf dem Weg zum elften DM-Titel nicht stoppen ließ. Exakt ein Jahr später, am 18. Februar 18, kreuzen die Rutronik Stars Keltern als neuer Spitzenreiter in Herne auf – ein Termin, den sich alle Besucher des Samstag-Spektakels dick im Kalender eintragen werden.

Wie etwa Christian Stiebling, Fan und Sponsor zugleich. „Was ein geiles Spiel. Das war das geilste Spiel überhaupt“, jubelte er, derweil sich die ausgepowerten Spielerinnen auf dem Parkett in die Arme fielen. Ob oben auf der Tribüne oder unten im VIP-Bereich: Wer zuvor unentwegt „Herne, Herne“ geschrien hatte, war nach dieser irren Schlussphase schier aus dem Häuschen. Und mit den Nerven am Ende.

Denn fast hätten die Gäste Unmögliches vollbracht und in den letzten 75 Sekunden einen Zehn-Punkte-Rückstand noch umgebogen. Hernes überragende Dirigentin Karin Kuijt, intern nur „General“ genannt, hatte mit Ablauf der Shotclock die Kugel im Fallen zum 74:64 in die Reuse gezaubert (39.). Es war die erste und einzige zweistellige Führung eines Teams im gesamten Spiel. Die Fans standen, wollten die letzte Minute bis zum Sieg genießen – und mussten mit ansehen, wie der TSV in weniger als einer Minute durch Galliou-Loko (2) und Reid drei Dreier versenkte. Herne führte nur noch 74:73, 19 Sekunden waren noch auf der Uhr.

Herne hatte Ballbesitz, der TSV musste foulen, holte Loyce Bettonvil an die Linie. Die blieb eiskalt, traf zweimal zum 76:73, aber Reid konterte mit einem Zweier. Kaum war der Ball wieder im Spiel, foulte Palmer Hernes Courtney Range, wollte nicht glauben, dass es ihr fünftes „Persönliches“ war, ereiferte sich – und handelte sich ein „T“ ein. Das hieß: Drei Würfe für Range, Ballbesitz Herne. Range, zuvor an der Linie ohne Fehler (sieben von sieben), hatte es in der Hand -- und verzitterte die ersten beiden Würfe. Der dritte saß, Herne hatte Einwurf Seite, die Uhr zeigte 5,8 Sekunden. Jetzt zog Kuijt das Foul, und sie hielt dem Druck stand. Beide Würfe fanden ihr Ziel, fünf Sekunden später war Schicht. Herne feierte, und Gästetrainer Gospodinov, der das ganze Spiel über Veitstänze aufgeführt hatte, konnte noch so toben: Der Meister war geschlagen.
Noch lange nach Spielschluss hieß es, Wasserburg wolle wegen angeblicher Regelverstöße eventuell Protest einlegen – Nebengeräusche, die diesem fulminanten Spiel, diesem leidenschaftlichen Kampf, dieser Werbung fürs Damenbasketball nicht gerecht werden. Marek Piotrowski ließ sich davon nicht beeindrucken. Der „Magier“ saß da ganz entspannt und genoss. „Sieg ist Sieg, alles andere ist uninteressant“, freute sich der HTC-Trainer. „Wir haben den Meister niedergekämpft, weil wir mehr Willen und mehr Biss hatten. Ein Riesenkompliment an die ganze Mannschaft.“
Quelle: WAZ/Wolfgang Volmer

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