HTC-Damen machen ihre Halle zur Festung

Auch Marburg kann die H2K-Arena nicht knacken. Trainer Marek Piotrowski hat nach dem fünften Sieg im fünften Heimspiel nichts zu meckern.

Herner TC - BC Pharmaserv Marburg 68:53 (20:9, 18:21, 25:13, 5:10)

HTC: Kuijt (15/1 Dreier), Range (15/1), Karic (9/1), Cooley (8), Attura (6/2), Jill Bettonvil (5/1), Slim (5), Loyce Bettonvil (3/1), Bussey (2), Stockhorst, Krizanovic.

BCM: Schaake (10/1), Yohn (10/1), Greunke (8), Baker (6), Voynova (6), Bertholdt (5), Wagner (4), Winterhoff (2), Bradley (2).

Statistik (HTC – BCM): Zweierquote: 57 % (20/35) – 41 % (16/39); Dreierquote: 47 % (7/15) – 11 % (2/18); Freiwurfquote: 78 % (7/9) – 94 % (15/16); Rebounds (defensiv, offensiv): 34 (30, 4) – 28 (19, 9); Turnover: 13 – 9; Assists: 14 – 4; Fouls: 17 – 14.

Die Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC versuchen alles, ihre Sponsoren bei der Stange zu halten. Weil ihre Heimspielstätte, die H2K-Arena, den Namen einer Sicherheitsfirma trägt, haben sie ihre Halle kurzerhand zum Hochsicherheitstrakt ausgebaut. Am Samstag scheiterte auch der BC Pharmaserv Marburg beim Versuch, diese Festung einzunehmen. Der Herner Sicherheitsriegel hielt stand, und auch der fünfte vermeintliche Punktedieb der Saison musste ohne Beute den Rückzug antreten.
Schritt für Schritt wolle er das junge, neu zusammengestellte Team zu einem konkurrenzfähigen Erstligisten entwickeln, so hatte es Marek Piotrowski zu Saisonbeginn angekündigt. Auf diesem Weg sind der Headcoach und seine Assistenten schon ein gutes Stück vorangekommen. Auf ihre Heimstärke können sich die HTC-Ladys verlassen, ebenso auf eine stabile, aggressive und bewegliche Defense. „Wir kommen unserem Ziel, die Liga zu halten, langsam näher“, schmunzelte Piotrowski, wollte die Latte aber nicht gleich höher legen. „Über die Playoffs sprechen wir jetzt noch nicht.“
Am Auftritt gegen den zuvor punktgleichen Vorjahresdritten hatte der Coach überhaupt nichts zu mäkeln: „Alle Spielerinnen, ohne Ausnahme, haben ihre Aufgaben erfüllt und gut gespielt.“ Ein Ziel sei es gewesen, die Marburger Dreierspezialistinnen nicht heiß laufen zu lassen. „Wir wussten, dass sie viele Würfe von außen nehmen, und die wollten wir ihnen möglichst schwer machen“, verriet der „Magier“ ein wichtiges taktisches Element.
Und das setzten seine Damen mit Leidenschaft um. Loyce Bettonvil klebte wie ein Schatten an Katlyn Yohn, auch Finja Schaake, Svenja Greunke oder Steffi Wagner hatten stets eine Herner Abwehrhand vor Augen, wenn sie von jenseits der 7,25m-Marke Maß nehmen wollten. Am Ende brachte es der Gast bei 18 Versuchen auf zwei Treffer, während der HTC mit sieben von 15 eine ganz starke Dreierquote schaffte – einer der Gründe, warum der Herner Sieg nie in Gefahr geriet.
Eine kleine Vorentscheidung fiel bereits in der zweiten Hälfte des Anfangsviertels, als Marburg nach der 9:8-Führung (4.) kein Punkt mehr gelang. Beim HTC hingegen klappte fast alles, und nach einem 12:0-Run ging es mit einer 20:9-Führung in die erste kleine Pause. Auffälligste Spielerin auf dem Parkett war in dieser Phase Courtney Range, die zehn ihrer 15 Punkte im ersten Viertel verbuchte. Aber auch Dreier von Jill Bettonvil und Beatrice Attura sowie ein wilder, aber erfolgreicher Wurf von Alecia Cooley in letzter Sekunde trugen zum komfortablen Vorsprung bei.
Marburg meldet sich zurück
Mit den ersten vier Punkten des zweiten Viertels aber meldete sich Marburg zurück. Herne hatte nun offensiv einige Probleme, hielt sich die Gäste aber bis zum 27:17 (14.) vom Leib. Dann schaute Jill Bettonvil nach einem Pfiff gegen sich etwas zu entrüstet, kassierte dafür noch ein „Technisches“, und die Gäste nutzten die Gunst der Stunde. Binnen einer Minute waren sie auf drei Punkte heran (27:24/15.), der HTC wackelte, wirkte verunsichert. Bis Karin Kuijt das Heft entschlossen in die Hand nahm. Als mannschaftsdienliche Spielgestalterin schon bis dahin überragend, zog sie nun selbst mehrfach zum Brett, legte die Bälle sicher in den Korb und holte ihr Team so aus dem kleinen Tief.
Zur Halbzeit war beim 38:30 aber noch lange nichts entschieden. Das besorgte der HTC in einem furiosen dritten Viertel, das Loyce Bettonvil mit einem Dreier eröffnete und Isabella Slim mit zwei Freiwurfpunkten zum 63:43 beendete. Acht HTC-Spielerinnen teilten sich die 25 Punkte des dritten Viertels – ein Beleg für die Ausgeglichenheit des Kaders. Als im Schlussabschnitt das große Marburger Aufbäumen ausblieb, durften auch die Jugendspielerinnen Clara Stockhorst und Nela Krizanovic aufs Parkett und Bundesligaluft schnuppern.

26.11.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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