Amojos Dreier knacken die Lions-Zone

HTC-Damen bezwingen den SV Halle Lions mit 82:68 und klettern auf den vierten Tabellenplatz. Im Pokalhalbfinale geht es gegen Ausrichter Keltern.

Herner TC - SV Halle Lions 82:68 (21:20, 22:18, 20:13, 19:17)

HTC: Amojo (21/5 Dreier), Mahlknecht (12, 11 Rebounds), Greinacher (10), Arthur (8/1), Kerin (8/1), Palmer (8), Van der Velde (6), Dikes (5), Takács (4), Bellock, Karic.

Lions: Thompson (14), Hammond (13), Horn (10), Henningsen (9/3), Hebecker (9), Hartmann (5/1), Pohlmann (4/1), Engeln (2), Rouault (2), Schinkel.

Statistik (Herne - Halle): Wurfquote: 48 % (29/60) – 34 % (21/62); Freiwurfquote: 65 % (17/26) – 81 % (21/26); Rebounds (off., def.): 40 (27, 13) – 38 (24, 14); Turnover: 14 – 15; Steals : 10 – 5; Fouls: 18 – 18.

Das böse Wort Abstiegskampf kann HTC-Trainer Marek Piotrowski für die nächsten Wochen getrost vergessen. Dafür sorgten seine Bundesliga-Basketballerinnen am Samstag, als sie erneut eine leidenschaftliche Leistung abriefen, den Angriff der hungrigen Löwinnen aus Halle abwehrten und mit einem verdienten Sieg auf den vierten Tabellenplatz kletterten.
Glücklich strahlend klatschten die Spielerinnen ihre Fans am Parkettrand und auf der Tribüne ab, und auch die Nachricht aus Keltern verdarb allein dem Headcoach kurz die gute Laune. Dass es der Herner TC im Halbfinale des DBBL-Pokals mit dem Ausrichter und derzeitigen Tabellenführer Rutronik Stars Keltern zu tun bekommt, war ganz augenscheinlich nicht nach Marek Piotrowskis Geschmack.
Dafür hatten ihm die 40 Spielminuten zuvor umso besser gefallen. Schließlich war es gegen die defensivstarken Lions nicht zu der allseits erwarteten Abwehrschlacht gekommen. „Wir haben uns in der Offense gut eingestellt und die Angriffe konsequent ausgespielt. Deshalb hat Halle schnell auf Manndeckung umgestellt“, fasste Piotrowski das Geschehen zusammen.
Daran hatte Ireti Amojo großen Anteil, deren Dreier wie durch Fernsteuerung gelenkt allesamt durch den Ring rauschten. „In der letzten Woche hat uns Ireti durch kämpferische Defense gepusht, heute mit ihrer super Quote“, hob Piotrowski seine Topscorerin hervor. Auch für Rachel Arthur hatte er ein Extralob parat: „Sie hat eine ganz starke Defense gespielt und wichtige Steals geholt.“
Alles in allem aber sei es wieder ein Erfolg des ganzen Teams gewesen, das sogar das frühe Ausscheiden von Kristi Bellock (Pferdekuss) verkraften konnte, weil Camille Mahlknecht, Caroline Van der Velde und Kata Takács ebenfalls einen richtig guten Job machten.
Leicht fiel dem HTC der Sieg gegen den Tabellensiebten jedoch nicht. Als Piotrowski in der fünften Minute beim 2:7 zur Auszeit bat, hatte allein Zhane Dikes zweimal von der Linie getroffen – allerdings bei vier Würfen. Es sah also nach dem erwarteten „Low-score-game“ aus. Doch kaum wieder auf dem Parkett, nahm Amojo erstmals Maß, traf zum 5:7, und noch in der fünften Minute beantwortete Ines Kerin einen Freiwurftreffer der Gäste mit einem seltenen Vier-Punkt-Spiel zur Herner 9:8-Führung. Trotz eines Fouls fiel ihr Distanzwurf in den Korb, und auch den Bonusfreiwurf nutzte die Slowenin, die für die reisegestresste Haiden Palmer in der Starting Five stand.
Mit fünf Amojo-Punkten zum 14:10 (6.) endete dieser erste Herner Run, dann hatte sich Halle wieder gefangen und übernahm beim 18:20 (9.) wieder die Führung, ehe Amojo das intensive Anfangsviertel mit ihrem dritten Dreier beendete.
Auch im zweiten Abschnitt erwischte Halle den besseren Start und setzte sich bis auf 28:34 (16.) ab. Zu oft kamen die Lions zu zweiten und dritten Würfen, weil der HTC sehr hoch verteidigte und viel Raum unter dem eigenen Brett ließ. Aber ein Korb der kampfstarken Kata Takács leitete die nächste Wende ein, und als die Referees zur Pause baten, hatte Herne aus sechs Punkten Rückstand einen 43:38-Vorsprung gemacht.
Das sah schon ganz gut aus, beruhigend aber war es nicht. Zu stark hatte Halle dagegengehalten, und auch nach Wiederbeginn fuhren die Löwinnen ihre Krallen aus. Durch 13 Punkte ihrer US-Girls Sara Hammond (6), Janee Thompson (4) und Kaneisha Horn (3) blieben sie bis zum 54:51 (29.) auf Schlagdistanz, ehe der HTC nach einem 9:0-Lauf durch Arthur (5), Mahlknecht und Palmer (je 2) eine 63:51-Führung mit in die letzte kurze Pause nahm.
Auch als Amojo das Schlussviertel mit ihrem fünften Dreier zum 66:51 eröffnete, steckten die Gäste nicht auf. Im Gegenteil. Als Takács beim 76:68 (38.) an der Linie patzte, witterten sie ihre Chance. Doch Hebeckers Distanzwurf sprang auf den Ring, Sunny Greinacher fischte den Rebound und Ireti Amojo vollendete den Gegenangriff 85 Sekunden vor Schluss zum 78:68. Das war die Entscheidung. Zwar rief Gäste-Trainer René Spandauw sofort zur Auszeit, aber sein letztes Mittel verpuffte wirkungslos. Die schnellen Fouls der Lions beantworteten Van der Velde und Palmer mit je zwei Freiwurftreffern zum 82:68-Endstand.

05.02.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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