Bellock und Boddie verlängern beim HTC

Mit den US-Girls hat Herne sieben Spielerinnen aus dem letztjährigen Kader unter Vertrag. Lea Mersch beendet ihre Laufbahn, Radostina Slavova geht zurück in ihre Heimat.

Sechs Wochen noch, dann steigen Hernes Basketballerinnen in die Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison ein – höchste Zeit also, die Personalplanungen weiter voranzutreiben. Das wissen auch die Verantwortlichen, und deshalb machen sie jetzt Nägel mit Köpfen.

Nach den Nationalspielerinnen Emina Karic, Sonja Greinacher und Ireti Amojo, der Österreicherin Kata Takacs und Caroline van der Velde haben sie nun zwei weitere Spielerinnen des letztjährigen Kaders für ein weiteres Jahr an sich binden können: Die US-Girls Kristi Bellock und Whitney Boddie, die erst im Winter zum Herner TC stießen, werden auch künftig in der Mont-Cenis-Arena auf Korbjagd gehen.

„Whitney und Kristi haben sich super ins Team eingefügt. Mit der kompletten Vorbereitung dürfen wir sicher noch mehr von ihnen erwarten, wir freuen uns auf das Wiedersehen Ende August“, begrüßt HTC-Vorsitzender Wolfgang Siebert die Vertragsverlängerung. Ähnlich sieht es Trainer Marek Piotrowski: „Wir wissen, was Whitney und Kristi können und an welchen Schrauben wir drehen müssen. Wenn sie richtig fit sind und unverletzt durch die Vorbereitung kommen, können sie uns sicher helfen.“

In der letzten Saison war das nur eingeschränkt der Fall. Nachdem sich Tiffany Porter-Talbert früh verabschiedet hatte, Alexis Harris und Slim Jones nie fit waren und Publikumsliebling Quenice Davis Heimweh verspürte, erwiesen sich Bellock und Boddie durchaus als gute Griffe. Beide integrierten sich schnell ins Team, und Aufbauspielerin Boddie begeisterte gleich bei ihren ersten Auftritten mit quirligem Ballvortrag und aggressiver Defense. In einigen Spielen deutete sie auch ihre Qualitäten als Shooterin an, so im ersten Viertelfinalspiel gegen Halle, das sie mit vier Dreiern im dritten Viertel fast im Alleingang entschied. Zwischenzeitlich wurde die 29-Jährige aber immer wieder durch leichtere Blessuren zurückgeworfen, so dass sie ihr Potenzial nicht konstant abrufen konnte.

Ähnlich durchwachsen verlief die erste halbe Saison im HTC-Dress für Kristi Bellock. Physisch enorm stark, entlastete sie als Power Forward die Centerinnen im Rebound und war auch im Setplay dank ihrer Durchsetzungskraft stets anspielbar. Dass auch Bellock nicht immer einlösen konnte, was ihre Fähigkeiten versprachen, hatte neben diversen Wehwehchen einen zweiten Grund. „Kristi war am Anfang richtig stark. Aber als Fikiel kam, waren die großen Positionen besetzt, dadurch ist sie etwas aus dem Rhythmus gekommen“, blickt Trainer Piotrowski zurück.

Katharina Fikiel aber hat Herne nach einem halben Jahr wieder verlassen und beim Deutschen Meister TSV Wasserburg einen potenteren Arbeitgeber gefunden. Kein Wiedersehen wird es auch mit Radostina Slavova-Naneva geben, die in ihre bulgarische Heimat zurückkehrt, weil ihr Mann dort einen Trainerjob im professionellen Basketball übernimmt. Bekannt war auch schon, dass beide Youngster nach bestandenem Abi ihre Plätze im Kader freimachen. Anna Lappenküper geht in die USA, wo sie an einem College in Indiana studieren und ihr Basketballspiel verfeinern will. Nicht ganz so weit weg zieht es Malina Sola. Sie nimmt ein Studium in Marburg auf und hat sich folgerichtig dem BC Marburg angeschlossen.

Bliebe aus dem letzten Kader nur eine Spielerin: Lea Mersch. Gern hätte Piotrowski sie behalten, doch die 29-Jährige hat ihr Masterstudium in Psychologie und Personalmanagement abgeschlossen und ein interessantes Jobangebot einer großen Firma angenommen. Dort will sich Mersch mit allen Kräften einbringen, so wie sie es in jedem Spiel für den HTC getan hat. Nicht umsonst haben die Fans sie sofort ins Herz geschlossen und sie gleich nach ihrer ersten Saison zur „Spielerin des Jahres“ gewählt. „Das ist schade, aber absolut verständlich“, bedauert Marek Piotrowski diesen Verlust. „Von Basketball kann frau in Deutschland eben nicht leben.“ Der Kontakt aber werde bestehen bleiben: „Schließlich weiß man nie, wie sich die Dinge entwickeln.“

14.07.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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