Geglückter Start lässt HTC-Ladys strahlen

HTC-Damen feiern zum Bundesliga-Auftakt einen verdienten 75:68-Sieg über die Royals aus Saarlouis. Erst ganz am Ende wird es noch mal eng.

Herner TC - TV Saarlouis Royals 75:68 (19:12, 22:17, 18:14, 16:25)

HTC: Slim 23 (1 Dreier, 4 Assists), Bussey (13/3), Range (11/1, 7 Rebounds), Karic (10), J. Bettonvil (6), Kuijt (6/2), L. Bettonvil (4), Attura (2), Cooley, Zolper, Polleros.

Royals: Niedola (28), Adams (12/4), Ilmberger (12, 8 Reb.), Stringfield (5), Brodersen (4), Bratka (4), Meynadier (3/1), Crozon, Eckerle, Simon.

Statistik (HTC -- TVS): Feldwurfquote: 46 % (22/48) – 51 % (26/51); Freiwurfquote: 69 % (24/35) – 100 % (11/11); Rebounds (def./off.) 20/9 - 22/2; Turnover: 21 – 24; Fouls: 16 – 27.

Am Ende wurde es doch noch mal kribbelig. Immer näher pirschten sich die Royals heran, erst auf sechs, in vorletzter Minute sogar auf fünf Punkte – und ein Spiel, in dem der Herner TC über die gesamte Distanz einem sicheren Sieg zuzustreben schien, stand plötzlich kurz auf der Kippe. Dann legte HTC-Kapitänin Emina Karic die orangene Kugel zum 73:66 in die Reuse, und als sich Sabine Niedola, die überragende Gästespielerin, im Gegenzug einen ihrer seltenen Fehlwürfe erlaubte und Herne beim Rebound entschlossen zupackte (40.), war es fast geschafft. Verzweifelt griffen die Royals zum letzten Mittel, holten HTC-Forward Courtney Strange an die Linie, aber wie an der Schnur gezogen flogen die beiden Freiwürfe der Amerikanerin durch den Ring.

Sekunden später war Schluss, und der Klatschmarsch der ausgepumpten HTC-Ladys zu ihren begeistert mitgehenden Fans konnte beginnen. „Das waren die zwei ersten Punkte gegen den Abstieg“, war Marek Piotrowskis spontaner erster Kommentar nach dem geglückten Einstieg in die Bundesligasaison. Und dabei strahlte der HTC-Trainer wie zuletzt vor vielleicht 50 Jahren unterm Weihnachtsbaum in Polen.
Ganz offenbar war dem „Magier“ eine große Last von den Schultern gefallen. Die acht jungen Damen, die er in den USA und den Niederlanden aufgespürt und zusammen mit Emina Karic in seine „Wundertüte“ gepackt hatte, eroberten die Herzen der HTC-Fans im Sturm und präsentierten sich nach fünfwöchiger Vorbereitung schon wie ein echtes Team. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir verlieren könnten. Dafür wollten es die Damen einfach zu sehr“, hob Piotrowski den Siegeswillen hervor. „Es war eine komplette Teamleistung, da möchte ich keine herausheben.“

Kann man aus Trainersicht verstehen. Eine HTC-Spielerin aber verdiente sich dann doch eine Eins mit Sternchen: Isabella Slim. Als einige Kolleginnen wackelten und einen Freiwurf nach dem anderen ausließen, blieb die blonde Holländerin ganz cool, versenkte allein im dritten Viertel neun von zehn an der Linie, packte noch einen Dreier drauf und hielt die Royals so auf zweistelligem Abstand. Für die Position 3 vorgesehen, sprang Slim auch unter den Brettern in die Bresche, als Courtney Range nach dem vierten Foul auf der Bank verschwand.
Die ersten Minuten aber gehörten Slims Nationalmannschaftskollegin Karin Kuijt. Mit einem feinen Dreier beendete die Aufbauspielerin nach 97 Sekunden eine nervöse Anfangsphase, und als Niedola mit einem „And one“ zum 3:3 ausglich, schickte Kuijt gleich den nächsten Dreier hinterher. Drei Minuten später führte Herne nach Punkten von Karic, Slim (je 2) und Strange (4) bereits mit 14:3 – der Start war optimal gelungen, das gab Selbstvertrauen.
Angeführt von Topscorerin Niedola (28 Punkte), konnte Saarlouis Ende des ersten Viertels noch mal in den einstelligen Bereich verkürzen (17:12/10.), rückte dem HTC aber bis zur Pause nie mehr richtig auf die Pelle. Das war ein Verdienst der Herner Defense, die viele Optionen der Royals effizient bekämpfte. Außer von Niedola (14) drohte bis zur Pause nur von Nationalcenterin Ilmberger (8) Gefahr, während sich bei Herne die Punkte recht gleichmäßig verteilten.

Mit einer Zwölf-Punkte-Führung ging es in die Pause. Ins dritte Viertel startete der HTC mit einem kleinen Hänger, erlaubte sich drei, vier Ballverluste, erkämpfte sich aber auf der Gegenseite auch viele Bälle und hatte vor allem unter dem eigenen Brett dank Range, Slim und Jill Bettonvil eine klare Reboundüberlegenheit.
So nahm der HTC eine komfortable 59:43-Führung mit in den letzten Abschnitt. Die schmolz zwar nach dem 65:49 (34.) bis auf 71:66 (39.) zusammen, aber angefeuert von ihren Fans verteidigten die HTC-Damen ihren verdienten Sieg bis ins Ziel. „Die ersten zwei Punkte gegen den Abstieg sind da“, wiederholte Piotrowski noch mal. „Warten wir mal noch ein paar Spiele ab, bevor wir über Playoffs reden.“ Am Sonntag geht’s nach Bad Aibling.

24.09.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

Zurück