Herne holt Sterne vom Himmel

Die HTC-Damen drehen nach der Pause voll auf und entscheiden durch das 83:62 auch den direkten Vergleich mit Keltern für sich.

Herner TC - Rutronik Stars Keltern 83:62

Viertel: 20:20, 18:17, 24:15, 21:10.

HTC: Greinacher (21/3 Dreier, 9 Rebounds), Fikiel (16/1), Mersch (15/1), Amojo (12/1), Bellock (12, 7 Reb.), Slavova-Naneva (7), Takács, Lappenküper, Van der velde, Sola.

Feldwurfquote: 53 % (30/57). Freiwurfquote: 81 % (17/21). Rebounds: 36 (29 defensiv, 7 offensiv).

Keltern: Guay (18/1), Lehtoranta (14/2), Madden (9), Prötzig (5/1/, Hjelle (5), Mitov (4), Elbert (3/1), Mahlknecht (2), Vrdoljak (2), Schüler.

Feldwurfquote: 40 % (23/58). Freiwurfquote: 65 % (11/17). Rebounds: 26 (17 defensiv, 9 offensiv).

Das war mal eine Ansage. Im wichtigen Spiel um den dritten Hauptrundenplatz lieferten Hernes Bundesliga-Basketballerinnen eine fantastische Mannschaftsleistung ab und fegten den Aufsteiger aus Keltern nach einer hinreißenden Partie mit 21 Punkten aus der Halle. „Riesenkompliment an die Mannschaft. Das war Werbung für Basketball“, strahlte sogar der sonst nicht zum Überschwang neigende Marek Piotrowski aus allen Knopflöchern. Und kein Augenzeuge, es sei denn, er hatte die weite Reise aus Nöttingen angetreten, würde dem stolzen HTC-Trainer widersprechen wollen.

Im Gegenteil. Schon lange vor Spielende standen die Leute von den Sitzen auf und feuerten frenetisch ihre Mädels an, die das Letzte aus sich herausgeholt hatten. Dass mal ein Korbleger vom Ring zurücktanzte, egal. Dass mal ein gefangener Ball wieder aus den Händen flutschte, vergessen. Dass mal ein Pass bei Keltern landete, völlig wurscht. Die HTC-Spielerinnen steckten alle Missgeschicke in den 40 Spielminuten weg, so wie sie den Ausfall der verletzten Boddie und Karic oder die nur provisorische Spielvorbereitung wegsteckten, sie hielten zusammen, rannten, kämpften – und ließen den Funken so auf die Ränge überspringen, dass die Energie von der Tribüne zurückschwappte und den Kessel zum Kochen brachte. Gegen diese Übermacht streckte Keltern die Waffen, konnte sich auch nicht mehr aufrappeln, als auch der direkte Vergleich verloren zu gehen drohte. Nix Sterne, alles Herne.

Dass sie so freudetrunken nach Hause gehen würden, hatten sich die HTC-Fans zur Pause nicht einmal erträumen können. Denn bis dahin hatten sich beide Teams eine rassige, temporeiche Partie auf Augenhöhe geliefert, in der mal die eine, mal die andere Mannschaft Vorteile zu haben schien. Anfangs fiel auf beiden Seiten fast alles in die Körbe, und als Piotrowski beim 13:14 nach 13:9-Führung zu ersten Auszeit bat, waren nicht mal fünf Minuten gespielt.

Bis zum Ende des ersten Viertels wechselte die Führung hin und her, ins zweite startete der HTC mit einigen Fehlern und viel Wurfpech, ehe Kristi Bellock per Dreipunktspiel ihr Team auf 23:26 (14.) heranbrachte. Damit war der Knoten gelöst, Herne kam wieder ins Rollen und erkämpfte sich, über weite Strecken mit vier deutschen Nationalspielerinnen gegen fünf Sterne aus aller Welt, die Führung zurück.

Die zweite Hälfte eröffnete Nadja Prötzig mit einem Dreier zum 38:40 – es sollte die letzte Gäste-Führung bleiben. Als wenig später Ireti Amojo nach einer gelungenen Abwehr verletzt vom Feld humpelte und ihr Sonja Greinacher mit ihrem vierten Foul auf die Bank folgte, sahen manche Fans die Herner Felle schon schwimmen. Aber dafür sprangen jetzt andere in die Bresche. Radostina Slavova-Naneva brachte iher Erfahrung ein, Anna Lappenküper und Kata Takács ihren Kampfgeist. Am HTC-Spiel änderte das nichts. Die bissige Defense ließ kaum noch freie Würfe zu, vorne fielen die Bälle wieder rein. Von 48:45 (25.) zog der HTC auf 75:54 (36.) davon – die Sterne waren vom Himmel geholt, der Rest war ein Fest. Party in Herne.

28.02.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

 

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