Herner Endspieltraum ist geplatzt

HTC-Damen verlieren auch das zweite Halbfinale gegen Saarlouis und spielen nun gegen Marburg um Platz drei. Defense versagt beim 75:83.

Herner TC - TV Saarlouis Royals 75:83 (18:22, 18:24, 13:16, 26:21)

HTC: Greinacher (21/1 Dreier), Mersch (18), Amojo (14/2), Boddie (14/2), Bellock (6), Takács (2), Fikiel, Van der Velde, Karic, Lappenküper.

Royals: Costa (30), Niedola (20), Tisdale (11/1), Dowe (8), Pohlmann (6), Barnert (4), Adams (4) Brodersen, Groß, Wimmer.

Feldwürfe: 48 % (31/65) – 48 % (29/60). Freiwürfe:89 % (8/9) – 86 % (24/28). Rebounds: 25 (14 defensiv, 11 off.) – 38 (21/17); Turnover: 15 – 13; Assists: 12 – 17; Steals 5 – 12; Fouls: 18 – 13.

Aus die Maus. Noch ist die Saison für die Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC zwar nicht beendet, ihren Traum vom erstmaligen Einzug in die Endspielserie um die Deutsche Meisterschaft aber mussten sich die HTC-Damen am Freitagabend abschminken. Nach der verdienten 75:83-Niederlage gegen den TV Saarlouis Royals ist die Halbfinalserie mit 0:2 verloren, und für Herne geht’s wieder nur um den Trostpreis, wenn am kommenden Freitag in Marburg und am Sonntag in Herne die Bronzemedaille ausgespielt wird. Schade.

Gekämpft haben sie bis zur letzten Sekunde, das ist keine Frage. Und dennoch blieben die HTC-Damen gestern weit unter ihren Möglichkeiten. Ob sie vor lauter Willen verkrampften, konnte Trainer Marek Piotrowski direkt nach der Schlusssirene nicht beurteilen. Jedenfalls war er ziemlich angefressen. „Wenn man nicht verteidigt, kann man auch kein Spiel gewinnen“, zürnte er. „Wir haben die ersten 20 Minuten in der Defense völlig verschlafen und 46 Punkte zugelassen. Das geht überhaupt nicht.“

Vor allem eine Gästespielerin hatten die HTC-Damen überhaupt nicht auf dem Zettel: Corinne Lillie Costa, die im Hinspiel nur zwei Pünktchen markiert hatte und auch sonst nicht zu den Topscorerinnen des TVS zählt, schwang sich unter den Royals zur Kaiserin auf. Nach knapp sieben Minuten bei einer Herner 17:12-Führung kam die wuchtige Centerin von der Bank, traf den ersten, den zweiten, den dritten und den vierten Wurf – absolut unbehelligt von einer Herner Gegenspielerin. Wie sich Costa bei ihrer Größe und Statur nur so verstecken konnte, dass die HTC-Defense sie permanent aus den Augen verlor, blieb bis zum Spielschluss ein ungelöstes Rätsel.

Im Alleingang sorgte Costa jedenfalls dafür, dass die Royals die Führung übernahmen und das erste Viertel mit 22:18 für sich entschieden. Und weil es so schön war und der HTC auch fürderhin keine Anstalten machte, ihre Anwesenheit auf dem Parkett zur Kenntnis zu nehmen, machte Costa im zweiten Abschnitt einfach weiter, wo sie aufgehört hatte. Sie nahm sieben weitere Würfe, und alle sieben saßen. Dank ihrer grandiosen 100-Prozent-Quote (11 von 11) nahmen die Gäste eine 46:36-Führung mit in die Halbzeitpause.

Beim HTC hatten einzig Greinacher, Boddie und Mersch dagegen gehalten. Zwar gelang auch ihnen längst nicht alles – vor allem Topscorerin Sunny Greinacher leistete sich einige dumme Ballverluste – aber sie spielten wenigstens nicht Verstecken. Von der erfahrenen Nationalcenterin Katharina Fikiel war hingegen nichts zu sehen, und auch Ireti Amojo traute sich erst etwas zu, als es schon zu spät war.

Denn auch nach dem Wechsel blieb Saarlouis die bessere Mannschaft. Erneut eröffnete Costa das muntere Körbewerfen, Tisdale und Niedola legten nach, und bald lag der HTC mit 38:56 (25.) fast aussichtslos zurück. Die HTC-Fans ließen ihr Team auch danach nie hängen, peitschten es unverdrossen nach vorn – und hofften nach fünf Amojo-Punkten zum 57:66 (34.) noch einmal auf eine Wende. Vergeblich. Clever zogen die Gäste Fouls und machten von der Linie mit einer Topquote (13 von 14 im letzten Viertel) den Deckel drauf. Das war endspielreif.

17.04.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

Zurück