Herner TC verliert nach großem Kampf

Die DBBL-Basketballerinnen des Herner TC schnupperten im Auswärtsspiel beim Serienmeister TSV 1880 Wasserburg am Sieg, mussten sich aber am Ende mit 59:66 geschlagen geben.

TSV Wasserburg - Herner TC 59:66

Einmal mehr traten Hernes Bundesliga-Basketballerinnen die endlos lange Heimfahrt aus Wasserburg mit leeren Händen an. In die Enttäuschung über die 59:66-Niederlage beim TSV 1880 Wasserburg mischte sich aber auch Stolz auf eine großartige Leistung. So schwer wie der Herner TC hat es seit Jahren kein deutsches Team dem Serienmeister in dessen eigener Halle gemacht. Bis zur letzten Sekunde lieferten die Gäste dem hohen Favoriten einen Kampf auf Biegen und Brechen, durften noch in der 39. Minute bei einer 59:58-Führung am Sieg schnuppern. Wie es sich dann aber wirklich anfühlt, die Badria im Triumph zu verlassen, das durften die Gäste aus dem Revier dann doch nicht auskosten.

„Das ist schade. Aus meiner Sicht waren wir über 40 Minuten die bessere Mannschaft“, meinte Marek Piotrowski. Warum es am Ende doch nicht klappte, hatte aus Sicht des Herner Headcoaches mehrere Ursachen: Den Substanzverlust nach einem extrem intensiven Spiel, die lange Anreise und das Pokalspiel in Osnabrück in den Knochen; die Tatsache, dass Ireti Amojo und Haiden Palmer geschwächt ins Spiel gingen und Emina Karic komplett ausfiel; nicht zuletzt aber auch die individuelle Klasse auf Seiten der Gastgeberinnen. „Trotzdem muss ich dem Team ein Riesenkompliment aussprechen. Es hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und gezeigt, dass wir auch mit den Besten mithalten können. Nur gereicht hat es leider nicht“, sah auch Piotrowski den Wasserburg-Trip mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Wir sind nah dran, aber müssen uns noch weiter entwickeln. Ich denke, die Zeit spielt für uns.“

Dass der HTC nicht gewillt war, dem Double-Gewinner der letzten drei Jahre widerstandslos die Punkte zu überlassen, wurde den begeistert mitgehenden Zuschauern schnell klar. Nach einer 14:9-Führung (8.) der Gäste glichen ausgerechnet die Ex-Hernerinnen Katarina Fikiel per Dreier und Britta Worms binnen einer Minute zum 14:14 aus. Von da an blieb es eng, die Führung wechselte mehrfach.

Mitte des zweiten Viertels lag Wasserburg dank einer 7:0-Serie noch mit 29:26 vorn, danach aber bekam der HTC Spiel und Gegner immer besser in den Griff. Die Defense ließ den Shooterinnen des Gegners keinen Platz, war schnell, beweglich, bissig, und unter den Körben fischte vor allem Sonja Greinacher einiges weg. Die Herner Offensive glänzte mit feinen, gut zu Ende gespielten Systemen, mit denen viele freie Würfe kreiert wurden. Sekunden vor der Pause traf Greinacher zum 31:37, ehe Shey Peddy mit zwei Freiwurfpunkten noch auf 33:37 verkürzte.

Nach Wiederbeginn blieb Herne das homogenere, effektivere Team, stand mehrfach kurz davor, den Vorsprung in den zweistelligen Bereich auszudehnen – zuletzt acht Minuten vor Schluss, als Camille Mahlknecht auf 46:55 stellte. TSV-Coach Georg Eichler rief zur Auszeit, machte seine Damen noch mal heiß. Und das Imperium schlug zurück. Wasserburg steigerte den Druck in der Defense und provozierte einige Herner Ballverluste. Wurfpech bei Kerins Dreier und Korblegern von Dikes und Greinacher sowie einige aus HTC-Sicht unglückliche Entscheidungen taten ihr Übriges: Wasserburg riss mit einem 12:0-Lauf zum 58:55 (36.) das Spiel aus dem Feuer.

Noch aber war Herne nicht geschlagen. Greinacher antwortete mit zwei Körben zum 58:59 (39.), aber in der Crunchtime hatte der TSV die besseren Nerven. Während der HTC einen bereits sicheren Defensivrebound wieder herschenkte, leichte Punkte liegen ließ und schwierige Würfe nahm, zeigten Milica Ivanovic und vor allem Shey Peddy in den entscheidenden Momenten ihre große Klasse und nutzten ihre Chancen eiskalt aus. Auch Piotrowskis letztes Mittel, die Stopp-the-clock-Taktik, verpuffte. Ivanovic versenkte beide Freiwürfe zum 66:59 und machte 14 Sekunden vor Schluss endgültig den Deckel drauf. „Jetzt sind wir erst mal ins Mittelfeld abgerutscht und müssen sehen, dass wir auch mal ein enges Spiel gewinnen“, trauerte Piotrowski der verpassten Überraschung nach.

30.10.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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