HTC-Damen enttäuschen auf ganzer Linie

Nach dem 57:66 in Marburg gerät Platz vier schon fast außer Reichweite. Herner TC punktet fast ausschließlich über die großen Positionen.

BC Pharmaserv Marburg - Herner TC 66:57 (19:14, 23:19, 11:8, 13:16)

BCM: Greunke (17/1 Dreier, 10 Rebounds), Schaake (13), Köppl (10), Yohn (9/1), Baker (9), Vojnova (3, 12 Reb.), Wilke (3), Bradley (2), Barra, Winterhoff.

HTC: Greinacher (17/1), Mahlknecht (10), Van der Velde (8), Amojo (7/1), Dikes (5), Palmer (4, 9 Reb., 6 Steals), Takács (4), Arthur (2), Karic, Kerin, Bellock.

Statistik (BCM – HTC): Feldwurfquote: 37 % (22/58) – 34 % (24/69); Freiwurfquote: 74 % (20/27) – 70 % (7/10); Rebounds: 48 (32 def., 16 off.) – 36 (24 def., 12 off.); Turnover: 15 – 13; Fouls: 15 – 21.

Was war nur am Samstagabend los mit Hernes Bundesliga-Basketballerinnen? Warum ließen die HTC-Damen das zu einer Art „Endspiel“ um eine gute Ausgangsposition für die Play-Offs hochgejazzte Duell in Marburg so emotionslos über sich ergehen? Diese Frage mussten sich die Herner Fans in der Halle und zuhause beim Betrachten des Livestreams nicht nur Ende des dritten Viertels stellen, als die HTC-Damen mit hängenden Köpfen über das Parkett der Georg-Gaßmann-Halle huschten. Obwohl nie aussichtslos hinten liegend, schien die Körpersprache nur eines zu signalisieren: Hier geht heute nichts, wir schaffen’s nicht.
Auch Marek Piotrowski bemerkte diese negative Grundhaltung, hatte aber nicht die geringste Lust, den Befindlichkeiten seiner Ladies nachzuspüren. „Das war gar nichts, das war kein schöner Ausflug“, konstatierte der Herner Headcoach trocken. Dass er bereits eine Nacht drüber geschlafen hatte, konnte Piotrowskis vernichtendes Urteil nicht mildern. „Wir haben ganz viele Sachen falsch gemacht, das war eine grottenschlechte Leistung.“ Punkt.
Stimmt. Dabei waren die daheim in dieser Saison noch unbesiegten Dolphins keineswegs unschlagbar. Auch sie machten viele Fehler, leisteten sich etliche Ballverluste und brachten ihre „Scharfschützinnen“ nur selten in Stellung. Aber sie gingen aggressiv zu den Rebounds, kamen oft zu zweiten und dritten Würfen, verstanden sich als Team – anders als der HTC, der zu sehr von Einzelaktionen lebte, im Setplay nur selten Lösungen fand und auch in der Teamdefense Lücken zeigte.
Anfangs schien sich ein Duell auf Augenhöhe zu entwickeln – auch dank der stark beginnenden Caroline Van der Velde. Bis zum 13:14 (9.) wechselte die Führung hin und her, ehe Marburg das erste Viertel mit einem 6:0-Lauf abschloss. Als Katlyn Yohn gleich nach Wiederbeginn auf 21:14 erhöhte, schien Herne angeknockt. Einzig Sonja Greinacher stemmte sich nun richtig dagegen und hielt mit 13 Punkten allein im zweiten Viertel den Rückstand stets im einstelligen Bereich.
Zwar kam der HTC mit frischem Schwung aus der Kabine, aber die Fehlerquote blieb extrem hoch. Die Würfe von außen fielen überhaupt nicht, und auch etliche freie Korbleger blieben ungenutzt. So setzten sich die Dolphins auf 47:35 (25.) ab. Als Greinacher wenig später nach ihrem vierten Foul auf die Bank musste, ließen ihre Kolleginnen die Ohren hängen und fügten sich in ihr Schicksal. Niemand traute sich zu, das Heft in die Hand zu nehmen. Vor allem von den „kleinen Positionen“ kam zu wenig, weder Haiden Palmer, noch Ireti Amojo, Ines Kerin oder Zhane Dikes konnten Akzente setzen.
So waren es Camille Mahlknecht und Kata Takács, die den HTC mit je vier Punkten zu Beginn des Schlussviertels wieder auf Schlagdistanz (53:49/33.) brachten. Marburg konterte mit einem 8:0-Lauf, aber erneut Mahlknecht (4) und Greinacher verkürzten auf 61:55 (37.). Das Momentum schien auf Herner Seite – bis Dikes sich ein Offensivfoul leistete und ein Foul an Greinacher ungeahndet blieb. Die endgültige Entscheidung fiel beim 63:55 gut zwei Minuten vor Schluss. Einen Greunke-Dreier mit Ablauf der Shotclock unterband Mahlknecht mit einem Foul, und die Nationalspielerin setzte alle drei Freiwürfe in die Herner Reuse. Und nicht nur Marek Piotrowski war bedient.

26.02.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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