HTC-Damen geben Sieg aus der Hand

Die Serie ist gerissen. Bei den AVIDES Hurricanes musste der HTC am Samstag die erste Niederlage des Jahres einstecken.

Avides Hurricanes - Herner TC 67:64 n.V.

Viertel: 15:16, 12:14, 16:17, 12:8. Overtime: 12:9.

Hurricanes: Selby (16/3 Dreier), Mallard (15, 10 Rebounds), Mankertz (11/1), Rodriguez (9/1), Skuballa (6), Rahn (5/1), Baden (3), Pakulat, Janßen, Tadeus.

Feldwurfquote: 35 % (23/64). Freiwurfquote: 72 % (13/18). Rebounds: 25 (20 defensiv, 5 offensiv). Turnovers: 15.

HTC: Greinacher (17/3, 8 Reb.), Bellock (12), Mersch (11, 7 Reb., 6 Ass., 3 Steals), Fikiel (10, 8 Reb.), Amojo (6/1), Boddie (6), Takács, Van der Velde, Lappenküper, Sola.

Feldwurfquote: 35 % (19/54). Freiwurfquote: 75 % (22/29). Rebounds: 31 (24 defensiv, 7 offensiv). Turnovers: 24.

Wer immer wieder mit dem Feuer spielt, muss sich nicht wundern, wenn er sich auch mal die Finger verbrennt: Auf diesen Nenner lässt sich die so überflüssige wie ärgerliche Overtime-Niederlage der Herner Bundesliga-Basketballerinnen in Scheeßel bringen.

Wie in den letzten Partien hatte der HTC alle Trümpfe in der Hand, war individuell stärker und lag über weite Strecken auch vorn, schaffte es aber nicht, sich entscheidend abzusetzen und den Willen des Gegners zu brechen. So blieb es bis zum Ende eng, und als der HTC 9,4 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit ziemlich naiv einen Dreier zuließ, schafften die Hurricanes durch Selby den Ausgleich. Mit der Schlusssirene vergab Lea Mersch einen leichten Korbleger und öffnete den Hurricanes damit endgültig die Tür, die sie dann in der Overtime entschlossen durchschritten.

Marcin Dolega, der den erkrankten Headcoach Marek Piotrowski an der Linie vertrat, war ganz schön bedient. „Es gab die klare Anweisung, zu foulen, statt einen Wurf zuzulassen. Aber sie ist nicht umgesetzt worden“, ärgerte er sich über den späten Selby-Dreier zum 55:55. „Wir hatten noch drei Fouls übrig und hätten Spiel und Rhythmus unterbrechen müssen.“

Wäre das gelungen, oder hätte Mersch den Korbleger genutzt oder das Foul gezogen, man hätte vom Sieg einer cleveren Mannschaft gesprochen. So aber wirkte es wie eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Abgezocktheit und Überheblichkeit, auf der die HTC-Damen böse abgeschmiert sind. Ganz so krass wollte es Dolega nicht sagen. „Aber es ist schon lange eine Herner Krankheit, dass wir den Gegner immer wieder herankommen lassen, weil wir überdrehen, wenn wir einen Lauf haben.“ Irgendwann, so seine Hoffnung, werden es die Damen wohl kapieren.

Verständlich waren dagegen Unzulänglichkeiten im Offensivspiel. Nach dem Einbau von Boddie, Fikiel und Bellock bedarf es noch einiger Trainingseinheiten, um Automatismen zu verinnerlichen und mehrere Optionen für schnelle Passfolgen einzuüben. Wie Herne dennoch zum Erfolg hätte kommen können, zeigten gleich die ersten drei Minuten, als Katharina Fikiel, Sonja Greinacher per Dreier und Kristi Bellock eine 7:0-Führung herauswarfen – drei Körbe der großen Spielerinnen. Doch statt ihre Größenvorteile konsequent und einfach weiter auszuspielen, verzettelten sich die Gäste zunehmend in zu komplexen Aktionen, bei denen sie den Ball immer wieder herschenkten.

Die erste Phase Herner Unkonzentriertheit nutzte Scheeßel, um von 6:13 (7.) auf 14:13 (9.) zu stellen. Hatte der HTC die Lektion gelernt? Mitnichten. Nach einer 12:0-Serie, mit der sich Herne von 16:18 (12.) auf 28:18 (18.) absetzte, machte sich abermals Leichtsinn breit, so dass die Hurricanes bis zur Pause noch auf 27:30 verkürzen durften.

Neues Viertel, altes Spiel. Erneut packte der Gast fünf Punkte auf sein Polster (27:35/21.), lag aber kurz darauf 38:39 (24.) hinten. Das blieb zunächst ein einmaliger Rückstand. Noch einmal zog der HTC auf acht davon (45:53/36.), wieder machte er den Sack nicht zu, und Selby rettete ihr Team in die Verlängerung, wo sich die Hurricanes, frenetisch angefeuert von ihren Fans, nicht unverdient den Sieg schnappten. Für den HTC eine bittere Lektion.

24.01.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

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