HTC-Damen müssen sich mit Blumen trösten

Dass sich Damen jeden Alters immer und überall über ein Sträußchen Blumen freuen, mit dieser Gewissheit räumten Hernes Basketball-Ladies gestern ganz unverkennbar auf. Mit enttäuschten Gesichtern und leeren Blicken nahmen sie aus den Händen von Bürgermeisterin Andrea Oehler und DBBL-Chef Achim Barbknecht die florale Anerkennung für den vierten Platz dieser Bundesligasaison entgegen, derweil sich die Dolphins des BC Marburg glückstrahlend die verdienten Bronzemedaillen umhängen ließen.

Nein, Platz vier war es nicht, was sich die HTC-Damen für diese Spielzeit vorgenommen hatten, das sprach auch Emina Karic bei ihrem Dank an Fans, Helfer und Sponsoren offen aus. „Es war ein bitteres Ende, wir hatten uns mehr erhofft“, räumte die Herner Kapitänin ein. „Trotzdem können wir auch stolz sein, zu den besten vier Mannschaften in Deutschland zu gehören.“

Mehr war am Ende auch wirklich nicht drin. Nachdem sich der Hauptrunden-Dritte in der Viertelfinalserie gegen Halle noch mit 2:1 durchgesetzt hatte, gingen danach alle vier Playoff-Spiele verdient verloren. Bitter war vor allem die deutliche 63:80-Schlappe am Freitag in Marburg. Nach einem kurzen Aufbegehren, als der HTC aus einem 4:11 (7.) eine 20:19-Führung (12.) machte, geriet Herne völlig aus dem Tritt und durch eine 0:15-Serie mit 20:34 ins Hintertreffen. Nur kurz gelang es, den Rückstand noch einmal in den einstelligen Bereich zu bringen, aber auch nach der Pause blieb Marburg das bessere Team und baute die Führung kontinuierlich aus – nicht zuletzt durch die überragende Katlyn Yohn, die dem HTC fünf Dreier einschenkte.

Es war also ein schwerer Rucksack, den Herne ins Rückspiel mitschleppte. Ein Sieg mit 18 Punkten musste her – nicht unmöglich, aber ziemlich anspruchsvoll. Gleichwohl machten sich die Hernerinnen unverdrossen ans Werk, verteidigten bissig, kämpften um jeden Ball, drückten aufs Tempo. Und auch als sie früh mit 9:15 hinten lagen (6.), ließen sie die Köpfe nicht hängen. Angetrieben von der nimmermüden Lea Mersch, konterten sie mit einer 13:0-Serie zum 22:15 (9.) und bauten die Führung im zweiten Viertel zweimal sogar auf neun Punkte aus (28:19, 30:21).

Doch die Dolphins ließen sich auch in dieser kritischen Situation nicht aus der Ruhe bringen. Warum auch. Sie hatten immer noch ein Polster, sie hatten eine harte, aggressive Teamdefense, und sie hatten Katlyn Yohn. Wann immer es nötig war, spielten die Gäste ihre Scharfschützin frei – und die ließ es krachen. Mit drei Dreiern binnen zwei Minuten brachte Yohn den BCM auf 34:34 heran, und der HTC war wieder da, wo er begonnen hatte.

Noch aber steckte das Piotrowski-Team nicht auf, versuchte nach der Pause, Unmögliches noch möglich zu machen. Beim 52:44 (25.) witterten die Fans wieder eine Chance, und im Rhythmus der Marburger Trommeln peitschten sie ihr Team nach vorn. Vergeblich. Jetzt waren es Lee, Benet und Greunke, die den Herner Korb vollstopften, während auf der Gegenseite kaum noch etwas durch den Ring passte. Und als es zum letzten Mal in eine kurze Pause ging, lag Herne bereits mit 54:55 hinten und konnte sich Bronze abschminken. So wunderte es dann nicht, dass am Ende auch dieses Rückspiel verloren ging.

„Wir sind enttäuscht, aber nicht frustriert“, beschrieb Trainer Marek Piotrowski anschließend die Stimmung. „So wie die Saison anfing, so endete sie auch: Mit ganz viel Verletzungspech. Wir haben uns mehr erhofft, aber man muss auch anerkennen, dass Marburg in dieser Phase einfach stärker war.“ Mehr wollte er zum Saisonverlauf nicht sagen. „Das ist noch zu früh. Wir müssen jetzt erstmal die Emotionen runterfahren und dann alles analysieren.“

24.04.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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