HTC erlebt böse Überraschung

Eine böse Überraschung erlebten die Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC im Landkreis Rosenheim. Dem Aufsteiger und Schlusslicht aus Bad Aibling musste der Tabellenzweite zum durchaus verdienten, weil leidenschaftlich erkämpften ersten Saisonsieg gratulieren.

TuS Bad Aibling Fireballs - Herner TC 70:66

Viertel: 14:14, 15:21, 21:12, 20:19.

TuS: Williams (15), Rupnik (12/1 Dreier), Bradaric (10), E. Duinker (10), Bellscheidt (8/1), A. Duinker (8), Pölder (7), Kancevic.

HTC: Davis (23), Wright (18), Amojo (7/1), Barnes (5), Salomaa (5/1), Karic (4), Müller (4), Slavova-Naneva, Van der Velde, Callahan.

Sie haben mit dem Feuer gespielt, und sie haben sich die Finger verbrannt. Mit einem mitunter überheblich anmutenden Auftritt verhalfen Hernes Basketballerinnen den Firegirls Bad Aibling zu ihrem heftigst bejubelten ersten Erfolg in der Bundesliga und mussten ihrerseits nach sechs Siegen die zweite Niederlage in Folge quittieren.

Was ihnen selbst eine Woche zuvor gegen Meister Wasserburg verwehrt geblieben war, dazu leisteten die HTC-Damen am Samstagabend im am Ende überkochenden Firedome einen nicht unerheblichen Beitrag: Zum Sieg eines individuell unterlegenen, aber leidenschaftlich kämpfenden Teams gegen einen Favoriten, der sich seiner Sache zu sicher schien.

Hatten sich die Hernerinnen von Berichten täuschen lassen, die dem Aufsteiger bisher jegliche Erstligatauglichkeit abgesprochen hatten? Oder steckte ihnen die 700-km-Tortour auf bahnstreikvollen Autobahnen inclusive Reifenpanne noch in den Knochen? Vielleicht war’s eine Mischung aus beidem, garniert mit einer Prise Unpässlichkeit. Emina Karic, Kitty Müller und Henna Salomaa hatten unter der Woche wegen eines Virus nicht voll trainieren können. „Alles keine Entschuldigung“, meinte Trainer Marek Piotrowski. „Bad Aibling war einfach gieriger und hat deshalb verdient gewonnen.“

Vom Sprungball an ließen die Firegirls keine Zweifel daran, dass sie sich einiges vorgenommen hatten. Angepeitscht von einem frenetischen Publikum, gelangen ihnen die ersten beiden Körbe der Partie. Der HTC ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen, fand langsam ins Spiel und machte aus einem 4:8 (4.) eine 14:10-Führung (7.), die er bis zur Pause eher verwaltete denn ausbaute. So ging es mit einem 35:29-Vorsprung in die Kabine – nicht eben üppig, aber schon gar nicht Besorgnis erregend.

Nach Wiederbeginn aber staunten die Gäste nicht schlecht: Kaum hatte die bayrische Blaskapelle das Parkett verlassen, ließen es die Firegirls richtig krachen. Mit einer 15:2-Serie zogen sie bis auf 44:37 (26.) davon. Die Gäste wirkten konsterniert – bis Teya Wright sie mit drei Körben aus ihrer Erstarrung riss. Gemeinsam mit Quenice Davis machte sich „T“ daran, den Spieß umzudrehen, und als Herne wieder mit drei Punkten vorn lag (55:58/34.), sah alles nach einem Arbeitssieg des Favoriten aus. Dann verlegte Wright, Davis und Müller patzten aus der Mitteldistanz, dazu kamen Ballverluste und überflüssige Fouls – und Bad Aibling nutzte seine Chance. Als die kleine Lena Bradaric auch ihren vierten Freiwurf eiskalt versenkt hatte, war Herne geschlagen.

 09.11.2014 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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