HTC foltert die Nerven seiner Anhänger

Hernerinnen reißen Spiel gegen die ChemCats noch aus dem Feuer. Nach einem 25:4-Lauf zur 36:18-Führung geht die Linie verloren.

Herner TC - ChemCats Chemnitz 68:64

Viertel: 22:16, 17:17, 16:18, 13:13.

HTC: Greinacher (18), Mersch (11), Davis (11/1 Dreier), Amojo (8/1), Bellock (7), Takács (6), Sola (3/1), Lappenküper (2), Van der Velde (2), Fikiel, Jones.

Feldwurfquote: 50 % (28/56). Freiwurfquote: 82 % (9/11). Rebounds: 29 (23 defensiv, 6 offensiv).

Chemnitz: Buck (17), Menz (16/1), Koop (12), Halasz (12), Bejtic (7/1), Allen, Le Mar, Peroche, Böhmke, Borchers, Kluge.

Feldwurfquote: 42 % (27/64). Freiwurfquote: 100 % (8/8). Rebounds: 34 (22 defensiv, 12 offensiv).

Das ging gerade nochmal gut. In der dramatischen Schlussphase einer packenden, kampfbetonten Partie rissen Hernes Bundesliga-Basketballerinnen gegen den Abstiegskandidaten aus Sachsen ein Spiel noch aus dem Feuer, das sie beinahe hergeschenkt hätten. Während sich die HTC-Damen erleichtert in den Armen lagen und auch Trainer Marek Piotrowski hörbar aufatmete, schlichen traurige Chemcats ohne Beute vom Parkett. Zumindest hatten sie sich mit ihrem couragierten Auftritt aber dicke Komplimente verdient. „Die bleiben drin. So spielt kein Absteiger“, war sich Hernes Co-Trainer Marcin Dolega hinterher sicher.

Kurz vorher tigert er noch neben Piotrowski erregt am Spielfeldrand herum. Drei Minuten stehen auf der Uhr, ein 59:64 an der Tafel — eine unerwartete, ja peinliche Niederlage liegt in der Luft. Dann trifft Sonja Greinacher einen schwierigen Mitteldistanzwurf, Quenice Davis verkürzt auf 63:64 (39.), der Nervenkitzel ist auf die Spitze getrieben. Nach Fehlversuchen auf beiden Seiten zieht Ireti Amojo ein Foul und versenkt beide Freiwürfe, Herne ist mit einem Punkt vorn. Auszeit, noch 34,9 Sekunden zu spielen. Die Trainer reden auf ihre Teams ein, die Fans sind längst aufgestanden, fiebern nervös mit, die Crunchtime beginnt: Ballverlust Chemnitz, wieder Auszeit, 22,2 Sekunden weiter zittern. Herne hat Einwurf von der Seite, wieder wird Amojo gefoult, der erste Freiwurf springt vom Ring zurück, der zweite sitzt. 66:64, noch 19,4 Sekunden, erneut Auszeit. Welche Taktik wird Piotrowski vorgeben? Wird er schnell foulen lassen, um noch einmal in Ballbesitz zu kommen? Wird er einen Chemnitzer Dreier riskieren? Der HTC versucht beides zu vermeiden, die Katzen tragen den Ball nach vorn, dringen in die Zone ein, spielen „pick and roll“ – und verlieren den Ball. Der HTC hat den Sieg vor Augen, Chemnitz sucht die letzte Chance in einem schnellen Foul, Davis aber bleibt eiskalt und netzt zweimal ein. 68:64, fünf Sekunden noch, auch ein Verzweiflungsdreier kann den Katzen nicht mehr helfen. Die Halle bebt, Piotrowski auch. „Ich hätte mich irgendwohin gebissen, wenn wir das verloren hätten“, stöhnt der Magier. „Wir haben am Anfang sehr stark gespielt, vielleicht habe ich dann zu mutig gewechselt. Letztlich aber hat das Team gegen starke Gegner mit Willen und Moral gewonnen. Aber das war richtig brenzlig.“

Wohl wahr. Dabei ließ sich die Begegnung doch ganz locker an. Zwar fuhren die Katzen mit einer starken Lisa Koop von Beginn an die Krallen aus, so dass die Führung mehrfach wechselte, nach dem 11:14 (6.) aber schaltete der HTC noch einen Gang höher und die Partie schien einen einseitigen Verlauf zu nehmen. Binnen elf Minuten setzte sich der Favorit auf 36:18 (17.) ab. Alles lief nach Plan, Piotrowski wechselte munter durch – und der Spielfluss war dahin. Zwar setzte Malina Sola noch einen schönen Dreier, mehr fiel vor der Pause aber nicht mehr in den Korb der Katzen, die so auf 39:33 verkürzen konnten.

Und damit hatten sie Blut geleckt. Noch aggressiver kamen sie aus der Pause und waren beim 41:41 wieder dran (23.). Nun ging Piotrowksi aufs Ganze, brachte Überraschungs-Zugang Katharina Fikiel, die erst in der Nacht aus Polen kommend gelandet war. Doch Routine und individuelle Klasse der National-Centerin reichten nicht, um gemeinsames Training zu ersetzen. Fikiel konnte ihrem neuen Team nicht helfen, im Gegenteil. Mit zwei Fouls und drei Ballverlusten baute sie die Cats weiter auf, die mit einem 11:0-Run ins letzte Viertel starteten und aus dem 51:55 ein 62:55 (34.) machte. Der Favorit wackelte, aber er fiel nicht. Diesmal ging’s gerade noch gut.

10.01.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

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