HTC gibt Sieg noch aus der Hand

Zwei Gesichter zeigten die HTC-Damen in Keltern: Nach einer starken ersten Hälfte verloren sie völlig den Faden und damit auch das Spiel gegen den Tabellenzweiten.

Rutronik Stars Keltern - Herner TC 68:59 (10:12, 13:27, 23:5, 22:15)

Keltern: Mendy (18/1 Dreier), Hjelle (15, 13 Rebounds), Guay (11/1), Mahlknecht (8), Kammer (7/1), Ciappina (5), Kenyon (4, 10 Reb.), Rötzig, Matic, Elbert, Schüler.

Feldwurfquote: 37 % (26/70). Freiwurfquote: 65 % (13/20). Rebounds: 34 (21 defensiv, 13 offensiv).

HTC: Greinacher (19), Davis (16/2), Amojo (10/1), Karic (6), Mersch (4), Slavova-Naneva (2), Van der Velde (2).

Feldwurfquote: 36 % (18/50). Freiwurfquote: 90 % (20/22). Rebounds: 27 (23 defensiv, 4 offensiv).

Marek Piotrowski war auch am Tag danach noch sauer. Stinksauer sogar. „So ein Spiel darfst du einfach nicht verlieren, das war komplett überflüssig“, ärgerte sich der Cheftrainer der Herner Bundesliga-Basketballerinnen über die 59:68-Niederlage beim nach wie vor ungeschlagenen Aufsteiger in Keltern. „Wir waren sehr gut auf den Gegner vorbereitet und haben 20 Minuten gezeigt, wie wir Basketball spielen können. Was danach passiert ist, dafür gibt es keine Entschuldigung.“

Dass die 39:23-Führung, die bei halbwegs normaler Verwertung von Großchancen locker 25 Punkte hätte betragen können, nach der Pause schmolz wie Butter in der Mikrowelle, das konnte selbst Kelterns Livestream-Kommentator durch seine Vereinsbrille nicht vorhersehen. Es war, als sei eine völlig andere Herner Mannschaft aus der Kabine zurück gekommen. Sah man zuvor ein aggressiv verteidigendes, gut abgestimmtes und abgeklärt aufspielendes Herner Team, so zerfiel der HTC später in seine Einzelteile, verlor jedes Konzept, spielte seine Systeme nicht aus, leistete sich viele wilde Würfe und noch mehr haarsträubende Ballverluste. „Keine Ahnung, was die Damen in ihrem Halbzeitgetränk hatten“, meinte Piotrowski zynisch. „Blödheit gehört eben bestraft. Aber wahrscheinlich war es eher Arroganz. In jedem Fall war es eine Sache der Einstellung, für mich war das eine Frechheit.“

Piotrowskis Enttäuschung war gerade deshalb so riesengroß, weil der HTC den Tabellenzweiten trotz seines kleinen Kaders in der ersten Hälfte beinahe an die Wand gespielt hatte. Nach vier Minuten hieß es bereits 0:8, und als die ungemein nervös beginnenden Rutronik Stars auf 4:8 verkürzt hatten (6.), nahm Piotrowski die erste Auszeit – aus gutem Grund, hatte doch allein Sonja Greinacher schon fünf Bälle aus der Nahdistanz verlegt. Abstellen konnte Herne diese Schwäche im ersten Viertel jedoch nicht. Weil danach auch Emina Karic zwei Korbleger ausließ, ging es lediglich mit einer 12:10-Führung ins zweite Viertel.

Hier trumpfte der HTC dann aber richtig auf: Mit einer 12:2-Serie setzte sich der Gast auf 24:12 (16.) ab und hielt die Führung fortan im zweistelligen Bereich. Lea Mersch nahm Ashlee Guay aus dem Spiel, alle anderen hatten ihre Gegenspielerinnen ebenfalls im Griff, und vorne fielen die Würfe wieder.

Die Sterne waren konsterniert und mit dem 16-Punkterückstand zur Pause noch gut bedient. Doch statt, wie von Piotrowski gefordert, genauso weiterzumachen und den Gastgeberinnen endgültig den Zahn zu ziehen, ließen es die Hernerinnen schleifen, starteten mit zwei Ballverlusten in die zweite Hälfte und luden Keltern förmlich ein, sich noch einmal aufzubäumen. Und die Sterne nahmen dankend an. Im gleichen Maße, wie Herne nachließ, wurden sie besser, gewannen nun die Eins-gegen-eins-Duelle, stellten die Passwege zu und beherrschten die Bretter, so dass sie oft im zweiten oder dritten Versuch trafen. Der HTC flüchtete sich in kopflose Einzelaktionen, kam kaum noch zum Wurf und schaffte erst 30 Sekunden vor der Sirene seinen einzigen Feldkorb des dritten Viertels. Es war der Ausgleich zum 44:44, nachdem Magali Mendy Sekunden zuvor den Kelterner 21:3-Run zur ersten Kelterner Führung abgeschlossen hatte.

Damit war die Richtung fürs letzte Viertel vorgegeben. Herne startete zwar mit einem 5:0-Lauf zum 46:49, doch das erwies sich als Strohfeuer. Die Sterne waren nun nicht mehr zu halten, der HTC taumelte wehrlos in die Niederlage. „Am Ende war es ein trauriges Bild“, gestand Trainer Piotrowski ein.

15.11.15 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

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