HTC ist die Nr. 3 in Deutschland

Ein gold-weißer Konfettiregen prasselte aufs Spielfeld nieder. Die Basketballerinnen des Herner TC nutzten die Gunst der Siegerstunde und sprinteten in den Regen. Die Party konnte beginnen. Zuvor hatte das HTC-Bundesligateam im zweiten Spiel um Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft in eigener Halle die ChemCats Chemnitz mit 75:66 (43:34) geschlagen.

Herner TC - ChemCats Chemnitz 75:66  (25:17, 18:17, 22:15, 10:17)

Davis (11/1), Müller (12/1), Koop (8), Bräuer (4), Sola, Terzic (2), van der Velde (6), Karic (6), Salomaa (9/1), Flasarova (14), Wright (3).

Alle nahmen sie Aufstellung zur großen Siegerehrung. Am Rande stand Piotrowski. Er signalisierte mit einem Handzeichen den Betreuern, sie mögen sich vor ihm in die Reihe stellen. Der Erfolgstrainer ganz am Ende. Es ist eine typische Szene für einen Mann, der auch an der Linie nicht den großen Zampano gibt. Ruhig und bescheiden.
Einmal streckte er doch die Faust in die Höhe. Für Marek Piotrowski fast schon ein Gefühlsausbruch. Quenice Davis hatte gerade einen Dreier zum 25:17 versenkt. Es lief im ersten Viertel. Das hatte ungewöhnlich begonnen. Zumindest was die Startaufstellung anging. Piotrowski ließ Teya Wright und Lisa Koop auf der Bank, brachte dafür Minja Terzic und Caroline van der Velde. Wahrscheinlich ein Zeichen des Respekts für die gebrachten Leistungen im Laufe der Saison.
Dem HTC schadete dieser Wechsel in der ersten Fünf nicht. Das Kommando übernahm sofort Katharina Müller, die die ersten sieben HTC-Punkte erzielte. In dieser Phase saß Marek Piotrowski sogar ganz ruhig auf seinem Trainerstuhl. Für ihn eher unüblich. Normalerweise steht er und dirigiert sein Team.
Es lief beim Herner TC. In der 18. Minute (43:32) wollte Chemnitz’ Trainer Toni Dirlic eine Auszeit nehmen. Der Anschreibetisch gab das Signal. Doch die Schiedsrichter hörten es zunächst nicht. Die Fans hatten einfach zu viel Lärm gemacht. Es herrschte eine tolle Atmosphäre in der voll besetzten Halle.
Es war wieder Werbung für den Frauenbasketball, auch wenn sich doch auf beiden Seiten zahlreiche Fehler einschlichen. Am Ende standen auf dem Scouting-Bogen 15 Ballverluste für den HTC, bei den Gästen waren es sogar 19.
Die Begegnung lebte von der körperlichen Intensität. Beide Teams schenkten sich überhaupt nichts. Leichte Punkte wurden nicht zugelassen, dann gab’s lieber ein Schlag auf den gegnerischen Arm. Keine Spur davon, dass die Chemnitzerinnen das Spiel schon wegen des großen Hinspiel-Rückstandes im Kopf abgehakt hatten.
Auch als der HTC mit 17 Punkten Mitte des dritten Viertels führte, gaben sich die Gäste nicht auf. Im Gegenteil: Sie fighteten. Kompliment für diese Einstellung.
Es war die Zeit, als es plötzlich nicht mehr lief bei den Hernerinnen. Marek Piotrowski schüttelte nur leicht mit dem Kopf. Die Angriffssysteme liefen einfach nicht. Da konnte es ihn auch nicht besänftigen, dass Minja Terzic mit einer Einzelaktion traf. Es schien urplötzlich so, als ob einige Spielerinnen nicht mehr wüssten, wie sie bei den Systemen laufen müssten.
Chemnitz kam heran. Und Trainer Toni Dirlic wollte offensichtlich unbedingt die Partie gewinnen und den Gastgeberinnen zumindest ein wenig die Party verderben. Nach dem Gegenkorb zum 61:71 raunte Dirlic seine Spielerin Ireti Amojo lautstark an. Es galt keinen Punkt zu verschenken.
Chemnitz verkürzte zwischenzeitlich auf acht Punkte. Doch es reichte nicht. Die starke Katarina Flasarova und die anderen hatten etwas dagegen. Gut eine Minute vor dem Ende des Spiels standen die Zuschauer auf und applaudierten durchgehend. Und noch eine schöne Geste. 14,7 Sekunden vor dem Schluss nahm Piotrowski eine Auszeit, um noch einmal wechseln zu können. Magda Gawronska, die sich vor Kurzem die Nase gebrochen hatte, durfte noch für ein paar Sekunden aufs Feld. Ein klares Zeichen: Sie ist ein fester Bestandteil des Teams.
Anschließend wurde gefeiert – und das nicht nur im Konfettiregen, sondern bei Freibier. Der Anfang eines langen Abends.

04.05.2014 / WAZ Herne / Rupert Joemann

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