HTC-Ladys begeistern mit Kontrastprogramm

Hernes Bundesliga-Basketballerinnen ersparen ihren Fans den üblichen Nervenkitzel und lassen Freiburg nach einem Stolperstart keine Chance.

Herner TC - Eisvögel USC Freiburg 89:68 (17:18, 24:14, 26:10, 22:26)

HTC: Mersch (17/2 Dreier, 6 Assists), Bellock (17), Boddie (14/2, 5 Steals), Amojo (13/1), Greinacher (12/2), Fikiel (12), Takács (2), Sola (2), Van der Velde.

Feldwurfquote: 56 % (28/50). Freiwurfquote: 81 % (26/32). Rebounds: 29 (22 defensiv, 7 offensiv).

USC: Williams (18), Castillo Iglesias (15/1), Pullins (14), Douglas (11), Hoffmann (5/1), Dzirma (4), Ilmberger (1), Hodapp.

Feldwurfquote: 40 % (24/60). Freiwurfquote: 72 % (18/25). Rebounds: 33 (18 defensiv, 15 offensiv).

Sie können auch anders. Hatten Hernes Bundesliga-Basketballerinnen in den letzten Heimspielen stets die Nerven ihrer Fans gekitzelt, indem sie mehrfach hohe Führungen herausspielten, den Gegner aber immer wieder auf Tuchfühlung herankommen ließen, so spulten sie diesmal ein Kontrastprogramm zum üblichen Samstagabendkrimi ab.

Sie leisteten sich einen 0:8-Fehlstart, drehten nach dem 7:17 (8. Minute) aber richtig auf und steigerten Tempo und Intensität derart, dass die Eisvögel das große Flattern befiel. Spätestens im Schlussviertel, als die Partie bei einer 69:42-Führung (31.) längst entschieden war, schwappte die fröhliche Stimmung auf die Ränge über, wo sich die Fans für Karneval warmschunkeln konnten. „Erst fangse janz langsam an, aber dann, aber dann“ – die „Kreuzberger Nächte“ der Gebrüder Blattschuss gaben die Dramaturgie eines Abends vor, der im „Gänsemarsch“ der HTC-Ladys zwecks Abklatschen ihrer Fans gipfelte.

Zurück von der Polonaise über die Tribüne, war auch Marek Piotrowski bester Dinge. „Die ersten fünf Minuten waren nicht okay, da fehlte die nötige Aggressivität. Danach aber haben wir das Ruder übernommen und das Spiel souverän, ohne Stress für die Zuschauer nach Hause gebracht“, kommentierte der Herner Headcoach.

Besonders freuen durfte er sich über zwei Spielerinnen, deren großes Potenzial man bislang zwar erahnen, aber im Wettkampf nur ansatzweise bestaunen konnte: Kristi Bellock und Whitney Boddie. Beide US-Girls, erst seit wenigen Wochen dabei, kamen von der Bank, beide fügten sich sofort prima ein und waren entscheidend am Herner Aufschwung ab Minute acht beteiligt. Düpierte Power-Forward Bellock die Gäste häufig mit überraschenden Bewegungen unter dem Korb, die sie traumwandlerisch sicher mit Nahdistanzwürfen abschloss, so begeisterte Aufbauspielerin Boddie mit schnellen Beinen, flinken Händen und einer bissigen Defense, die ihr fünf Ballgewinne einbrachten. Auch ihre Integration ins Angriffsspiel macht gute Fortschritte, und die starke Quote von fünf Treffern bei sechs Würfen aus dem Feld dürfte ihr Selbstvertrauen noch stärken.

In jedem Fall scheint mit Boddie ein adäquater Ersatz für „Q“ Davis gefunden. Die Chefrolle ist ohnehin mit Lea Mersch längst bestens besetzt. Auch an diesem Samstag war es die 28-jährige Nationalspielerin, die ihr Team pausenlos antrieb und den Herner Motor nach dem Stotterstart auf Touren brachte. Ein Dreier, zwei Freiwürfe, ein Mitteldistanzwurf: Sieben Mersch-Punkte in Folge zum 14:17 (10.) setzten den HTC-Express in die Spur, und von da an lief es wie auf Schienen. Ein 10:0-Run durch Punkte von Bellock (8) und Katharina Fikiel (2) schraubte die Führung erstmals in den zweistelligen Bereich (35:22, 16.). Die Eisvögel konterten zwar mit einer 6:0-Serie zum 35:28 (18.), aber das war ihr letztes Aufbäumen. Piotrowski bat zur Auszeit, erinnerte an alte Fehler – und fand Gehör. Ireti Amojo mit Dreipunktspiel und Boddie per Dreier ließen den HTC gleich wieder davonziehen.

Den Fans war’s recht. Jetzt wissen sie: Ihre Mädels können nicht nur Krimi, sie können auch Party.

31.01.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

 

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