HTC reißt Spiel aus dem Feuer

Nach dem 54:51 über starken BC Marburg ist dem Herner TC Platz vier kaum noch zu nehmen. Kampfgeist und Leidenschaft werden belohnt.

Herner TC - BC Pharmaserv Marburg 54:51

Viertel: 10:6, 12:26, 12:9, 20:10.

HTC: Bellock (18), Greinacher (15/1 Dreier, 8 Rebounds), Mersch (8/1, 10 Reb., 6 Steals), Fikiel (6), Amojo (5/1), Boddie (2), Takács; Van der Velde, Slavova-Naneva, Lappenküper, Sola.

Feldwurfquote: 36 % (20/55). Freiwurfquote: 79 % (11/14). Rebounds: 39 (27 defensiv, 12 offensiv).

BCM: Yohn (15/1), Lee (14), Greunke (9, 9 Reb.), Baker (4), Benet Edo (3), Gaudermann (3/1), Thimm (2), Köppl (1), Schaake; Schwarzkopf.

Feldwurfquote: 35 % (21/60). Freiwurfquote: 70 % (7/10). Rebounds: 33 (23 defensiv, 10 offensiv).

Wer nicht da war, hat etwas verpasst, wer es gesehen hat, wird wiederkommen. Spielerisch ließ die Partie zwischen den Tabellennachbarn aus Herne und Marburg sicher einige Wünsche offen, und dennoch war sie beste Werbung für Damenbasketball.

Was Tempo und Leidenschaft, Intensität und Hingabe anbelangt, ist eine Steigerung kaum noch denkbar. Vierzig Minuten lang ging es rauf und runter, wurde kein Ball verloren gegeben, kämpften alle 16 eingesetzten jungen Damen so fair wie verbissen um jeden Punkt. Nein, dieses Spiel hatte keinen Verlierer verdient. Aber Unentschieden sind im Basketball nicht vorgesehen. Dass es am Ende des dramatischen, hoch emotionalen Ringens die HTC-Damen waren, die dicht vor einer drohenden Verlängerung hauchdünn die Oberhand behielten, hatte vielleicht etwas mit Abgezocktheit zu tun, mit Nerven, auch mit Glück. In jedem Fall machte es einen aufregenden Abend zu einem höchst erfreulichen – zumindest für das Gros der 350 Zuschauer.

Auch für Marek Piotrowski. „Das war Play-off-Feeling pur“, pustete Hernes Headcoach erstmal erleichtert durch. „Ich bin stolz, dass wir ein Spiel noch umgedreht haben, in dem wir viele Fehler gemacht haben. Es war ein sehr, sehr guter Fight der Mannschaft und ein tolles Spiel für die Zuschauer. Einige mussten heute über ihre Grenzen gehen.“

Das hatten sich die Hernerinnen allerdings ein Stück weit selbst zuzuschreiben, verpassten sie es doch, sich gleich im ersten Viertel eine komfortable Führung zu erspielen. Anfangs ließ die extrem bissige Defense fast nichts zu, die Rebounds landeten regelmäßig beim HTC, und wenn nicht drei, vier Fastbreaks überhastet vergeben worden wären, hätte sich Herne locker zweistellig absetzen können. Beim 10:2 (7.) bat Gäste-Coach Pat Unger zur Auszeit, und danach war alles anders. Der HTC verlor in der Offensive komplett seine Linie, fand keinen Weg mehr durch die Zone, und wenn die „Shooterinnen“ mit schnellen Passfolgen freigespielt waren, verweigerten sie die Würfe. In den folgenden zwölf Spielminuten gelangen ganze drei Körbe durch Kristi Bellock und Sonja Greinacher (2), während die Dolphins über die von Katharina Fikiel nicht gut verteidigte Stephanie Lee und über Svenja Greunke zu leichten Punkten kamen.

Bis zur 19. Minute wurde aus dem 10:2 ein 16:30, auf der Tribüne wurde es still, Lärm machten nur noch die Marburger Trommler. Der HTC kämpfte verzweifelt und verkrampfte dabei – bis Lea Mersch mit ihrem Dreier zum 19:30 das Signal zur Aufholjagd gab. Mit 22:32 ging es in die Pause – ein dickes Brett, was noch zu bohren war.

Doch der HTC machte sich gleich an die Arbeit, steckte auch den Ausfall von Whitney Boddie weg, die sich an der Leiste verletzte. Nun waren die anderen noch stärker gefordert. Und sie nahmen diese Herausforderung an. Mersch ackerte wie verrückt, drückte aufs Tempo, Ireti Amojo zog in kurzer Zeit drei Offensivfouls, Bellock wühlte sich durch – beim 34:35 (28.) war der HTC wieder dran, musste aber in der Folge eine 0:8-Serie zum 34:43 (31.) hinnehmen. Es wurde eng. Ganz eng.

Aber Herne hat viel individuelle Klasse im Team, und das zahlt sich aus. Jetzt dreht Sunny Greinacher richtig auf, eröffnet mit zwei Körben den Endspurt, Bellock lässt vier Punkte zum 44:45 folgen, dann versenkt Greinacher einen Dreier zum 47:47 und bringt Herne mit dem nächsten Angriff erstmals wieder in Führung. Amojos eiskalter Dreier zum 52:49 (38.) läutet die nervenaufreibende Crunchtime ein. Beide Teams machen Fehler, haben Chancen, vergeben sie. Bis Bellock einen freien Korbleger zum 54:51 nutzt. Die Uhr zeigt 0,1 Sekunden an, wird auf 2,0 korrigiert, Marburg hat Einwurf, bringt Baker ins Spiel, die per Dreier die Verlängerung erzwingen will. Doch der Ball titscht auf den Ring, die Sirene ertönt. Geschafft. Ein hartes Stück Arbeit ist erledigt.

07.02.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

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