HTC spielt nur kurz mit dem Feuer

Hernerinnen gewinnen auch das vierte Spiel des neuen Jahres, lassen Nördlingen aber nach fulminantem Start noch einmal herankommen.

Herner TC - TH Wohnbau Angels 85:78 (26:10, 22:22, 19:25, 18:21)

HTC: Fikiel (17), Greinacher (16/1 Dreier), Amojo (16), Bellock (12), Takács (9/1), Mersch (7), Lappenküper (4), Boddie (4), Van der Velde, Sola.

Feldwurfquote: 51 % (32/63). Freiwurfquote: 83 % (19/23) Rebounds: 31 (20 defensiv, 11 offensiv).

Angels: Schlegel (24), Strange (21/1), Womack (10), Parsons (9), Högg (6), Geiselsöder (4), Racic (4), Dietrich, Klug.

Feldwurfquote: 54 % (30/56). Freiwurfquote: 85 % (17/20). Rebounds: 27 (19 defensiv, 8 offensiv).

Der elfte Sieg ist eingetütet, auch das vierte Spiel des neuen Jahres ist gewonnen. Die HTC-Fans hatten allen Grund, zufrieden nach Hause zu gehen, auch wenn sie nicht Zeugen einer Basketball-Gala wurden, wie sie das erste Viertel versprach. Aber gemach: Wenn Katharina Fikiel und Whitney Boddie erst einmal voll integriert sind, darf man von diesem Herner Team noch eine ganze Menge erwarten. Die individuellen Qualitäten der beiden letzten Neuzugänge waren schon gestern mehr als zu erahnen.

Noch aber war etwas Sand im Getriebe, wie auch Marek Piotrowski monierte. „Nach einer schönen erste Halbzeit haben wir leider etwas nachgelassen, haben in der Defense viele Fehler gemacht und waren oft zu ungeduldig“, fasste der HTC-Trainer seine Eindrücke zusammen. „Mit Sieben zu gewinnen, war nach dem Spielverlauf zu wenig. Aber wenn die Mannschaft ihr Potenzial abruft, sieht das nicht schlecht aus.“

So wie gestern im ersten Viertel, als der HTC die tapferen Angels aus dem Ries vom Parkett zu fegen schien. Nach nervösem Start, als erst Kristi Bellock, dann Sonja Greinacher den Ball ohne Not zum Gegner warfen, rappelten sich die Hernerinnen aus und zogen vom 5:8 (3.) bis zum Viertelende auf 26:10 davon. In dieser Phase klappte einfach alles: Flink und aggressiv in der Defense, gönnte der HTC den Gästen keine leichten Würfe, stahl die Bälle oder schnappte sich die Rebounds und schloss seine Angriffe schnell und präzise ab. Den Engeln verging Hören und Sehen – so hatten sie sich ihren Auftritt im Revier gewiss nicht vorgestellt.

Das zweite Viertel eröffnete Sonja Greinacher mit einem Dreier zum 29:10 (11.), und das blieb die höchste Führung. Herne blieb bis zur Pause zwar immer mit mindestens 14 Punkten vorn, verpasste es aber, den angeknockten Angels den frühzeitigen K.o. zu verpassen. Stattdessen durfte Nördlingen nun mitspielen.

Und so fassten die Gäste Mut. Als sie die zweite Hälfte mit einem 8:2-Run eröffneten und auf 40:50 (23.) verkürzten, beschlich manchen HTC-Fan in Erinnerung an den jüngsten Nervenschocker gegen Chemnitz schon ein mulmiges Gefühl. Wollten es die Hernerinnen wieder spannend machen? Wollten sie wieder mit dem Feuer spielen? Auch Piotrowski wurde unruhig, rief zur Auszeit – und mahnte wieder mehr Konzentration und Aggressivität an. Mit wenig Erfolg. Ireti Amojo traf zwar zum 52:40, doch dann lief Nördlingens Heidi Schlegel heiß, wühlte sich mehrfach durch die Herner Abwehr und brachte ihr Team fast im Alleingang auf 49:54 (25.) heran.

Die Gäste waren auf Tuchfühlung, Herne spürte den Druck. Wieder war es Amojo, die Verantwortung übernahm. Zweimal drückte sie von außen ab, zweimal rauschte die Kugel durch die Reuse – die richtige Antwort auf das Nördlinger Aufbegehren. Parsons und Strange brachten die Gäste jedoch postwendend erneut auf fünf Punkte ran.

Kurz darauf kam es sogar aus dem Lautsprecher: „Heute ist der Wurm drin“, sagte Hallensprecher Dennis Remiorz. Er meinte zwar die Anzeigetechnik, die mehrfach ausfiel und kleine Pausen erzwang, doch passte sein Satz auch auf das Herner -Spiel in dieser Phase. Lea Mersch hörte es – und legte noch ein Schüppchen drauf. Dreimal stahl sie den Ball und schraubte mit fünf Punkten in Folge den Vorsprung wieder in den zweistelligen Bereich (67:55/30.).

Davon erholten sich die Gäste nicht mehr. Bis auf 83:67 (37.) setzte sich der HTC im Schlussabschnitt wieder ab und gestattete es den Angels erst in den letzten drei Spielminuten, das Ergebnis doch noch etwas aufzuhübschen. Ernsthaft gefährdet aber war der Herner Sieg nicht.

17.01.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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