HTC verpatzt den Saisonstart

Autsch, das saß. Dass es schwer werden würde, damit war zu rechnen, aber dass sich die HTC-Basketballerinnen zum Bundesligaauftakt von den Royals eine derart schmerzhafte Klatsche abholen mussten, sorgte doch für ziemliche Ernüchterung in der gut gefüllten MCG-Arena. Erst recht bei Marek Piotrowski. „Das war ein ganz schlechtes Spiel von uns, da gibt es nichts schönzureden“, gestand der Herner Headcoach nach dem verkorksten Saisonstart ein. „Wir haben nicht das gespielt, was wir spielen wollten, und sind hart gelandet.“

Herner TC - TV Saarlouis Royals 57:88  (14:18, 14:21, 18:27, 11:22)

HTC: Greinacher (12), Müller (11/1), Davis (10/2), Karic (7/2), Mersch (6), Slavova-Naneva (5), Van der Velde (4), Amojo (2). Wurfquote Feld: 36 % (22/61). Freiwurfquote: 53 % (8/15). Rebounds: 28 (19 defensiv, 9 offensiv).

Royals: Niedola (17), Tisdale (17/3), Barnert (15/1), Pohlmann (12), Adams (10), Dowe (8), Brodersen (5/1), Costa (4), Groß, Ferri. Wurfquote Feld: 56 % (35/63). Freiwurfquote: 100 % (13/13). Rebounds: 41 (32 defensiv, 9 offensiv).

Natürlich wies Piotrowski darauf hin, dass mit Tiffany Porter-Talbert und Alexis Harris beide neuen US-Ladys verletzt fehlten und auch Anna Lappenküper und Malina Sola wegen einer Klassenfahrt nicht im Kader waren. Doch er widerstand der Versuchung, darin eine hinreichende Erklärung für die enttäuschende Leistung seines Teams zu sehen. Zu krass war die Unterlegenheit, zu wenig hatte der HTC dem groß aufspielenden und in allen Belangen überlegenen Deutschen Vizemeister entgegenzusetzen.

Vielleicht waren die Hernerinnen angesichts der eigenen Erwartungshaltung auch zu verkrampft, um die Royals ernsthaft zu fordern. Von Beginn an lief der HTC der Musik hinterher. Zwar konnte Lea Mersch den ersten Korb des Abends, erzielt von Kimberly Pohlmann, postwendend egalisieren, das 2:2 aber blieb der letzte Gleichstand der gesamten Partie. Schnell hatten sich die Gäste auf 10:4 abgesetzt, weil sie wacher waren, weniger Fehler machten und härter verteidigten als der HTC, dem auch das Glück bei vielen Würfen nicht hold war.

Augenfällig war schon da die physische Überlegenheit der Royals. So sehr sich Sonja Greinacher unter den Brettern mühte, der geballten Power der Saarlouiser Centerinnen-Garde konnte sie auf Dauer nicht standhalten. Dazu fehlte ihr die Unterstützung durch Radostina Slavova-Naneva, die nach einigen Ballverlusten völlig abtauchte. Immerhin brachte Greinacher ihr Team in der Schlussphase des ersten Viertels mit sechs Punkten auf 14:16 heran. Im zweiten Viertel blieb der HTC bis zum 21:24 auf Tuchfühlung, ehe Stina Barnert und Angela Tisdale den Vorsprung der Gäste erstmals in den zweistelligen Bereich brachten.

In die Pause ging es mit einem Elf-Punkte-Rückstand – keineswegs aussichtslos also. Große Zuversicht war im HTC-Lager dennoch nicht spürbar. Zu wenig deutete darauf hin, dass die Hernerinnen noch eine Wende erzwingen könnten – ein Eindruck, der sich bald verfestigte. Zwar eröffnete Mersch die zweite Hälfte mit einem Korb und Greinacher ließ ein Dreipunktspiel zum 33:39 (21.) folgen, näher aber kamen die HTC-Damen nie mehr heran. Gegen die schnelle, harte Defense der Gäste nahmen die Hernerinnen zu oft schlechte, überhastete Würfe, die Royals schnappten sich die Abpraller, und drei Sekunden später lag der Ball in der Herner Reuse. Das war Fastbreakspiel par excellence, was die Gäste hier aufs Parkett zauberten.

Als sich bei den ausgepumpten Hernerinnen im Schlussabschnitt langsam Frust breitmachte, spielten sich die Royals mit der überragenden Lettin Sabine Niedola und einer aus allen Lagen treffenden Tisdale in einen Rausch und schraubten das Ergebnis in eine Höhe, die dem HTC zu denken geben muss.

27.09.2015 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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