1. Herren: Das Wunder von Hern(e)

Herner TC – VfL Astrostars IV 78:75 (OT) (19:19; 9:20; 21:14; 16:12; 13:10)

Im zweiten Derby in genauso vielen Wochen erwartete den HTC mit der Viert-Vertretung der Bochumer Astrostars ein harter Gegner, den man bereits im Hinspiel erst nach Verlängerung bezwingen konnte (68:72). Und auch am 15. Spieltag sollte die reguläre Spielzeit nicht ausreichen. Doch noch in der Halbzeit sah es ganz und gar nicht danach aus…

Ohne Mini Konsek und Irbin DeLaCruz rückten Jascha Korscheck und Konrad Wroblewski in die Starting-Five um den langen Bochumern körperlich Paroli bieten zu könne, was anfangs auch tadellos funktionierte. Die Herner Center setzten sich mehrfach unter dem Korb (11P/1.Vrtl.) durch und Korscheck setzte mit guten Drives zum Korb nach. Zwar konnte Herne von den ersten sechs Freiwürfen lediglich einen im Korb unterbringen, aber der Plan, den Gegner früh in Foultrouble zu bringen, schien aufzugehen. Sechs HTC-Punkte in Folge bescherten den Hausherren eine frühe Führung (13:5; 6. Min.). Doch obwohl man die richtige Marschroute gleich auf Anhieb gefunden hatte, geriet Herne aus unverständlichen Gründen ins Straucheln und versteifte sich mehr und mehr auf Einzelaktionen. Die plötzliche Unsicherheit im Spiel der Gastgeber wurde auch vom Gegner bemerkt, welcher daraufhin Vollgas gab. Nachlässige Verteidigung machte den VfL zusätzlich stark und dieser bedankte sich mit einem 14:6-Lauf zum Viertelende (19:19; 10. Min.).
Im zweiten Viertel sahen die Zuschauer dann ein Trauerspiel ihrer Farben. Lediglich neun Punkte von Pajonk und Biermann erzielte der HTC in den zweiten 10 Minuten, während die Astrostars nun ihren Flow gefunden hatten. Immer wieder machten die Lücken in der Verteidigung und das sinnlose Absinken der Herner es leicht für Bochum zu Punkten zu gelangen. Bis zur Halbzeit hatte der Kontrahent aus der Nachbarstadt sich auf 11 Punkte abgesetzt und beim HTC lagen die Nerven blank (28:39; 20. Min.). Coach Badziong war bedient vom kopflosen Verhalten und der mangelnden Disziplin seiner Spieler und bat zum Halbzeit-Tee.
Frisch motiviert und mit einer taktischen Änderung in der Angriffs-Formation wollten die Lokalmatadoren sich vor heimischer Kulisse nicht kampflos ergeben und bewiesen dies in der zweiten Halbzeit mit Bravour. Bis zur Viertelmitte konnte der HTC sich zwar noch nicht in Schlagdistanz kämpfen, Bochum sich aber auch nicht weiter absetzen (33:46; 25. Min.). Doch dann platzte endlich der Knoten: Der erneut stark aufspielende Daniel Pajonk gab mit dem ersten Herner Dreier der Begegnung den Startschuss für die Aufholjagd seines Teams. Angeführt von Alex Konsek und Jascha Korscheck kämpfte Herne sich über einen 11:0-Run zurück in die Partie (44:46; 27. Min.). Zwar sorgten zwei Fehler in der Verteidigung gegen das Bochumer Blockspiel dafür, dass man zu Beginn des Schlussabschnitts(?) immer noch hinten lag, aber jetzt hatten die “Orange-Men“ Blut geleckt (49:53; 30. Min).
Im finalen Viertel dauerte es nicht lange und Biermann erzielte den Ausgleich (53:53; 32. Min.). Doch nun wollten die Schiedsrichter dem Spiel wohl etwas die Härte nehmen, was in insgesamt 32 Freiwürfen in 15 Minuten resultierte. Glücklicherweise stand der VfL der schlechten Freiwurfleistung des Gastgebers in nichts nach. Doch langsam begannen bei den Bochumern die Kräfte zu schwinden und damit zeitgleich auch die Konzentration. Genau zum richtigen Zeitpunkt spielte der HTC nun seine stärkste Verteidigung und setzte sich über mehrere Ballgewinne zwischen der 34. Und 37. Minute auf 62:59 in Front. Doch Bochum traf den Konterdreier zum Ausgleich und legte noch drei Punkte hinterher (62:65). Herne patzte im nächsten Angriff gleich doppelt von der Freiwurflinie und bekam durch Unbeherrschtheit auch noch ein technisches Foul gepfiffen. Die Partie schien 40 Sekunden vor dem Ende verloren, doch dann ereignete ich ein kleines Basketballwunder: Die Astros vergaben den Bonusfreiwurf, wurden im folgenden Angriff gefoult und vergaben erneut beide Versuche von der Linie. Wroblewski schnappte sich den wichtigen Rebound, Pajonk trieb den Ball nach vorne und fand Dreier-Spezialist Dennis Köhler, welcher in der Partie bislang zwar stark, aber sehr uneigennützig gespielt hatte. Aus gutem Grund! Köhler hatte sich seinen großen Auftritt bis zum Schluss aufgehoben. Mit einer Dribbling-Finte verschaffte sich der Flügelspieler den Platz den er brauchte und versenkte den Ball aus 7,5m mit der Schlusssirene im gegnerischen Korb (65:65; 40. Min.).Das bedeutete: OVERTIME!!!
In der Verlängerung ging das muntere Fehl-Werfen des HTC von der Freiwurflinie weiter (4-8) und Bochum ging wieder in Führung (66:70; 42. Min.). Doch nun hatten auch die Nachbarstädter ihre Munition verschossen und erzielten in den letzten drei Minuten nur noch fünf Punkte bei ebenfalls unterirdischer Quote von der Freiwurflinie. Jetzt ging es Schlag-auf-Schlag: Ein-Mann-Armee Alex Konsek glich mit vier Punkten in Folge aus, Bochum traf ausnahmsweise zwei Freiwürfe in Folge, doch Konsek punktete erneut zum Ausgleich (72:72; 43. Min.). Ein Freiwurf von Pajonk und ein Post-Move von Biermann brachten Herne 30 Sekunden vor dem Ende die Führung, welche Bochum aber noch ein letztes Mal per Freiwurf ausgleichen konnte (75:75; 45. Min.). Der letzte Angriff gehört also den Hausherren und diese hatten nun alle Karten in der Hand. Da der VfL die eigene Zone nun mit aller Macht verteidigte, suchte der HTC also den Abschluss von außen und wer würde sich da besser eignen, als der Held der regulären Spielzeit? Niemand! Scharfschütze Köhler nahm 3 Sekunden vor dem Ende einen weiteren Wahnsinnsdreier aus diesmal gleich 8,5m Entfernung und……………traf erneut!!! Die Halle stand Kopf und als der letzte Verzweiflungswurf des Gegners das Ziel verfehlte, hatte Herne ein bereits verloren geglaubtes Spiel durch eine unglaubliche Leistungssteigerung und einen überragend von außen treffenden Dennis Köhler doch noch gewonnen. Ein kleines Basketballwunder eben;)

Fazit: Trotz des Sieges wurden in der Partie mehrere Problembereiche des HTC deutlich, an denen man weiterhin arbeiten muss. Die über weite Strecken zu unkonzentrierte Leistung in der Offensive, insbesondere von der Freiwurflinie, sowie ungeahnte Schwächen in der Verteidigung hätten Herne fast den Kopf gekostet. Obwohl man in der Vorwoche die beste Saisonleistung als Team gezeigt hat, war man leider nicht in der Lage dies auch weiterhin umzusetzen. Doch am Ende konnte man nochmal den Kopf aus der Schlinge ziehen und nun hoffentlich aus den eigenen Fehlern lernen. Bereits in der kommenden Woche wartet nämlich der nächste Brocken auf die herner Ballakrobaten. Der direkte Tabellennachbar BB-Unity aus Dortmund ist am kommenden Sonntag zu Gast in der MCG-Arena und möchte seinen Erfolg aus dem Hinspiel wiederholen. Gegen die körperlich stark besetzten Dortmunder, die für ihre aggressive Spielweise bekannt sind, sollte Herne physisch und psychisch besser gut gewappnet sein, könnte man doch mit einem Sieg auf den siebten Tabellenplatz vorrücken und sich ein kleines Polster im Abstiegskampf verschaffen…(31.01.16; 16Uhr; MCG-Arena)

Scoring: Konsek 22/6-12; Biermann 14/2-2; Korscheck 13/7-12; Pajonk 11/1/4-5; Wroblewski 10; Köhler 8/2/0-4 ; Mwamba; Kaminski; Badziong (n.e.)

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