1. Herren: Jäger der verlorenen Form

HTC bleibt auch am zweiten Spieltag unter seinen Möglichkeiten

Auch am zweiten Spieltag konnte Herne nicht in Bestbesetzung antreten. Inklusive Spielertrainer Badziong standen gerade mal 8 einsatzfähige HTC-ler auf dem Anschreibebogen. Auch wenn der überschaubare Kader und der Ausfall der Leistungsträger Alexander Konsek und Felix Wenzel zwar eine Schwächung des Teams bedeuteten, war man gut genug aufgestellt um den ersten Sieg der Saison einfahren zu können. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre…

Herne wurde etwas von der ungewohnten Zonenvariante des Gastgebers überrascht, aber ein stark aufspielender Dennis Köhler (8 Punkte im 1. Vrtl.) brachte seine Farben mit fünf schnellen Punkten in front (2:5; 2. Min.). Im weiteren Verlauf kam der HTC über Tobias Biermann und Rückkehrer Jascha Korscheck zu weiteren Punkte und zum Abschluss des ersten Durchgangs legten Köhler und DeLaCruz noch ein Doppelpack von der Dreipunktelinie nach, während die Baroper Offensive nicht viel auf die Reihe bekam (11:19; 10. Min.). Allerdings bestand die gesamte Herner Punkteausbeute aus Einzelaktionen, während die Defensive nur durch die Unfähigkeit des Gegners zu punkten, einigermaßen akzeptabel war. 

Im zweiten Viertel gelang es anfangs sich auf 11 Punkte abzusetzen (13:24; 14. Min.), doch danach wendete sich das Herner Spiel um 180°: Vom einen auf den anderen Moment stellte der HTC das Basketballspielen komplett ein. Trotz spielerischer Überlegenheit und klarer Anweisungen vom Trainer den Ball viel zu passen und auf freie Würfe zu warten, verstrickten sich die Herner nun mehrfach in Kopf-Durch-die-Wand-Aktionen und machten sich somit das Leben selber schwer. Von der 15. Minute bis zur Halbzeit gelangen dem HTC nur noch zwei Dreier vom weiterhin treffsicheren Dennis Köhler, während der TVE sich über einen 11:6-Run wieder auf Schlagdistanz kämpfte (24:30; 20. Min.).

Auch eine umfangreiche Halbzeit-Ansprache von Coach Badziong konnte seine Schützlinge nicht wachrütteln und das dritte Viertel begann so, wie die erste Halbzeit geendet hatte. Eine vollkommen neben sich stehende herner Mannschaft präsentierte sich im gesamten dritten Durchgang weit unter seinen Möglichkeiten und erlaubte den Baropern das Spiel komplett zu drehen. In der Verteidigung jagte nun ein Anfängerfehler den nächsten und den wurfschwachen Baropern wurden trotz eigener körperlicher Überlegenheit zahlreiche leichte Punkte unter dem Korb geschenkt. Wenn diese mal nicht trafen, wurde die nicht-vorhandene Reboundarbeit des HTC dazu genutzt, sich über Offensiv-Rebounds weitere Wurfchancen zu erarbeiten. Egal was Trainer und Mannschaft versuchten, es gelang Herne im gesamten dritten Viertel nicht sich aus diesem Loch herauszukämpfen. Taktische Anweisungen wurden komplett ignoriert und jegliche Motivationsversuche wurden durch fehlende Konsequenz und Kommunikation auf dem Spielfeld bereits im Keim erstickt. Einziger Lichtblick in dieser Phase war Jascha Korscheck. Der  Flügelspieler, der nach seinem Kreuzbandriss erstmalig wieder eine Partie bestritt, markierte sechs wichtige Drittviertel-Punkte und lieferte insgesamt ein gelungenes Comeback ab. Trotzdem kam es wie es kommen musste und das Heimteam übernahm ab der 25. Minute die Führung, welche über einen finalen 10:4-Lauf auf ganze 10 Punkte ausgebaut werden konnte (52:42; 30. Min).

Im letzten Spielabschnitt setzte Badziong alles auf eine Karte indem er selber das Heft in die Hand nahm und die Herner Verteidigung auf dem Spielfeld unterstützte und koordinierte. Und siehe da, mit Erfolg: Plötzlich war der HTC wieder hellwach und wies die Dortmunder über gute Verteidigung ein ums andere Mal in die Schranken. Unglücklicherweise hatte auch Badziong einen katastrophalen Tag im Angriff erwischt und konnte keine Punkte zu der Herner Aufholjagd beisteuern, aber dafür war nun Top-Scorer Tobias Biermann aus seiner Leichenstarre erwacht. Der bis zu diesem Zeitpunkt recht blass gebliebene Power Forward drehte nun richtig auf, erzielte binnen drei Minuten acht Punkte in Folge für sein Team und sorgte somit für den Anschluss (54:50; 34.Min.). Auch der folgende Dreier des Gegners konnte Hernes neu entstandenen Kampfgeist jetzt nicht brechen und mehrere Ballgewinne sowie erfolgreiche Offensivaktionen von DeLaCruz und weiterhin Biermann brachten den TVE nochmal ordentlich ins Schwitzen (57:55; 36.Min.). Doch die Zeit spielte leider bereits gegen die Gäste, welche nun schnell punkten mussten. Doch anstatt sich über die einstudierten Systeme gute Würfe zu erarbeiten, wurde erneut zu kopflos versucht abzuschließen, was leider nicht mit weiteren Zählern belohnt wurde. Zwar blieb Barop auch mehrfach erfolglos wodurch das Spiel bis zur letzten Spielminute offen gehalten wurde, aber letztlich machte Dortmund mit weiteren drei unbeantworteten Punkten zum Endergebnis 63:57 den Sack zu (40. Min.).

Fazit: Auch in der zweiten Begegnung der Saison konnte der HTC seine eigene Leistungsfähigkeit nicht über die gesamte Spielzeit aufs Spielfeld übertragen. Ganze 25 Minuten wurde der über weite Strecken deutlich schlechtere Gegner dominiert, nur um das Spiel dann in einem 15-minütigen(!) Blackout zu verschenken. Dies zeigt, dass die erste Herrenmannschaft noch nicht in seiner Bestform spielt und weiterhin daran arbeiten muss diese zu finden und konstant abrufen zu können. Doch zum Glück ist die Saison noch jung und bereits in der kommenden Woche hat man erneut die Gelegenheit den ersten Sieg 2015/2016 einzufahren, denn dann heißt es in eigener Halle gegen den stark gestarteten BC Langendreer: DERBY-TIME !!! (20.09.15; 16Uhr; MCG-Arena)

Doch bis dahin muss das Team um Coach Badziong noch kräftig an sich arbeiten und die Fehler aus dem Spiel gegen den TVE minimieren. Zwar hat ein Derby eigene Gesetze, aber die bereits gut eingespielten Bochumer werden wie immer alles daran setzen ihre Siegesserie gegen den HTC auszubauen. Es wird also allerhöchste Zeit für Herne ein Ausrufezeichen zu setzen…

Scoring: Biermann 21/3-8; Köhler 14/4; DeLaCruz 9/1/2-2; Korscheck 8; Konsek, D. 2; Badziong 2; Pajonk 1/1-2; Kizilkaya

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