1. Herren: NICHTS ist unmöglich

HTC fügt Tabellenführer erste Niederlage zu

BC Langendreer – Herner TC 53:77 (13:17; 9:17; 18:15; 13:28)

Nach der mehr als unglücklichen Niederlage in der Vorwoche konnte es für die erste Herrenmannschaft nicht schlimmer kommen, musste man doch am Samstagabend beim bis dato ungeschlagenen Liga-Primus aus Langendreer antreten. Doch auch in der Aussenseiterrolle sollte man den HTC niemals unterschätzen, vor allem nicht in einem Derby…

Von der ersten Minute an wurden die Gastgeber von der starken Leistung der Herner überrumpelt. Die Manndeckung des HTC war über die gesamte Partie von viel Entschlossenheit und Siegeswillen geprägt, wodurch die Bochumer es nur sehr schwer schafften ein geordnetes Setplay aufzubauen. Wachsame Helpside-Verteidigung und viel Kommunikation untereinander sorgten dafür, dass es kaum Lücken in der Zone gab und die meisten Angriffe der Hausherren improvisiert werden mussten. Trotz des erneuten Ausfalls von Stamm-Center Alexander Konsek funktionierte die Verteidigung des HTC unter dem Korb vorbildlich, wobei sich die beiden “Polish Towers“ Wroblewski und Kaminski ein Sonderlob ihres Coaches in Sachen Defense und Rebounding verdienten. Offensiv gab Dennis Köhler direkt im ersten Angriff mit einem seiner insgesamt drei Dreier den Startschuss für seine Farben und Daniel Pajonk legte mit zwei Steals und anschließenden Lay-Ups direkt nochmal nach. Die verdutzten BCL-er, die keinen guten Tag erwischt hatten, waren vollkommen von der Rolle und vergaben sogar reihenweise Freiwürfe, welche aus der aggressiven HTC-Verteidigung resultierten. Herne war auf dem richtigen Weg (2:9; 3. Min.). Doch der Tabellenerste kam über mehrere unnötige Ballverluste der “Orange-Men“ wieder zurück ins Spiel und die Partie drohte zu kippen (7:9; 6. Min.). Soweit kam es jedoch zum Glück nicht, denn ein Dreier von Daniel Pajonk und fünf Punkte in Folge von Jascha Korscheck sicherten die Führung ihrer Mannschaft nach dem ersten Durchgang (13:17; 10. Min).
Einziger Wehrmutstropfen nach einem guten Viertel war die frühe Foulbelastung von Topscorer Tobias Biermann, der mit bereits drei Fouls große Teile der ersten Halbzeit auf der Bank verbringen musste, was sich jedoch im späteren Spielverlauf noch auszahlen sollte…
Zu Beginn der zweiten zehn Minuten hatten sich die Gastgeber etwas gefangen und erzielten zur Viertelmitte den ersten Ausgleich in diesem hart umkämpften Derby (19:19; 15. Min.). Zu allem Überfluss verletzte sich noch der Herner Floor-General Daniel Pajonk und wurde durch Billy Mwamba ersetzt. Doch auch Ersatzguard Mwamba war hochmotiviert und schenkte dem Gegner unmittelbar nach seiner Einwechslung, in Kombination mit zwei weiteren Köhler-Dreiern, einen 9:0-Lauf ein (19:28; 18. Min.). Die weiterhin hohe Verteidigungsintensität erlaubte dem BCL bis zum Viertelende keinen Feldkorb mehr und offensiv sprang nun Dominikus Konsek für den foul-belasteten Biermann in die Bresche, wodurch die Führung des HTC bis zur Halbzeit auf 12 Punkte anstieg (22:34; 20. Min.).
In der Halbzeit ermahnte Trainer Badziong seine Spieler dazu den Gegner nun nicht zu unterschätzen, oder in verfrühte Siegessicherheit zu verfallen. Doch zu Beginn der zweiten Hälfte passierte genau das, wovor Badziong gewarnt hatte: Leichtfertige Ballverluste und nachlässige Verteidigung gegen die nun angewandte Pressverteidigung des BCL bescherten Langendreer einen 13:4-Run (35:38; 25. Min.). Herne nahm seine erste (!) Auszeit und Badziong gab ein Einwurfsystem gegen die gegnerische Presse vor, welches auch sofort optimal funktionierte. Zusätzlich war der Plan nun wieder verstärkt den Korb zu attackieren um die vorbelasteten Gegner endgültig in Foul-Trouble zu bringen, was ebenfalls prompt gelang. Der HTC legte nun seinerseits einen 11:4-Lauf hin und traf dabei hochprozentig von der Freiwurflinie (7-8). Die Zuschauer staunten nicht schlecht, denn auch nach 30 gespielten Minuten waren die Underdogs noch in Front und langsam machte sich Nervosität in der Halle breit (40:49; 30. Min.).
In der Crunchtime ging es also um „Alles oder Nichts“ und nach bereits zu vielen unglücklichen Niederlagen in dieser Saison wollte der HTC dieses Spiel nun mit aller Macht an sich reißen. Biermann kehrte endlich zurück aufs Spielfeld und bewies umgehend seinen Wert indem er viertelübergreifend 10 Punkte in sieben Minuten erzielte. Die Gemüter des Tabellenersten erhitzten sich nun zunehmend aufgrund der eigenen Unfähigkeit den im gesamten Spiel absolut dominanten Hernern Paroli bieten zu können und endeten in einem technischen Foul. Daniel Pajonk verwandelte den Freiwurf und Irbin DeLaCruz traf direkt im Anschluss eiskalt einen Neckbreaker von der Dreipunktelinie vor der gegnerischen Bank (43:59; 33. Min.). Dieser wichtige Treffer brachte den HTC endgültig auf die Siegerstraße. Der BCL setzte in den letzten drei Derby-Minuten gezwungenermaßen auf eine Stop-the-clock-Taktik, doch mit 10 von 17 Herner Treffern war auch dies nur von mäßigem Erfolg gekrönt, zumal die Hausherren nun im Angriff vollkommen kopflos spielten und jeden auch noch so schlechten Wurf von der Dreipunktelinie nahmen. Den Schlusspunkt der Derby-Begegnung setzten nochmal Konrad Wroblewski, der eine starke Leistung gegen seinen Ex-Verein ablieferte und Dennis Köhler per Fastbreak. Mit dem Abpfiff fielen sich die Herner in die Arme und feierten mit den zahlreiche mitgereisten Zuschauern den unerwarteten, aber auch in der Höhe verdienten Kantersieg gegen das bislang beste Team der Saison (53:77; 40. Min.).
Fazit: Nach vielen knappen Niederlagen und teilweise durchwachsenen Leistungen sorgt der HTC am 14. Spieltag für einen wahren Paukenschlag beim Tabellenführer. Eine von Anfang an motivierte und engagierte Leistung aller Beteiligten, sowie bisher ungewohnt hohe Disziplin und Mannschaftszusammenhalt bescherten Herne den verdienten Überraschungssieg, den man nach einer bisher eher schwachen Saison bitter nötig hatte. In einer harten Begegnung nach Derbygesetzen, die von beiden Unparteiischen absolut vorbildlich und fair geleitet wurde, belohnt der HTC sich selber für eine großartige Leistung. Egal ob die entschlossene Arbeit unter den Körben, das mannschaftsdienliche Zusammenspiel, die engagierte Kollektiv-Leistung in der Verteidigung, oder durchdachte Aktionen im Angriff, an diesem Tag hat einfach alles gepasst. Das nennt man ein TEAM!
Doch trotz der kollektiven Glanzleistung stach besonders Daniel Pajonk hervor, der sich nicht nur mit einer grandiosen Offensiv- und Defensivleistung seine Lorbeeren verdiente, sondern das gesamte Herner Spiel in seinen 36 Minuten Spielzeit auf höchsten Niveau lenkte. Egal ob intelligente Tempowechsel, abwechslungsreiche Systemvorgaben oder geschickte Anspiele auf seine Mitspieler, Pajonk legte mit seinem vorausschauenden Spielverständnis den Grundstein für den Sieg.
Doch der Weg zum Klassenerhalt ist noch lange nicht geschafft. Man darf sich jetzt nicht auf der eigenen Leistung ausruhen, sondern muss diese Form in die kommenden Partien gegen die direkten Tabellennachbarn mitnehmen. Ob und wie der HTC dies bewältigen kann, wird man bereits in der nächsten Woche sehen, wenn ein weiteres Derby ansteht. Am kommenden Sonntag sind die VfL Astrostars(4) zu Gast in der MCG-Arena und wenn man vom Hinspiel (68:72-Sieg) ausgeht, deutet sich ein weitere hart umkämpfte Begegnung an…

Scoring: Köhler 14/3/1-2; Korscheck 14/6-12; Pajonk 13/1/6-9; Biermann 12; Konsek, D. 8/2-4; DeLaCruz 7/1/4-4;Wroblewski 7/1-3; Mwamba 2/0-2; Kaminski; Badziong (n.e.)

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