Kurzes Aufbegehren wird schnell erstickt

Nur im ersten Viertel begegnete der Herner TC dem Meister auf Augenhöhe. Danach erhöhte Wasserburg den Druck und gewann das Spitzenspiel der DBBL glatt mit 85:61.

TSV 1880 Wasserburg - Herner TC 1880 85:61 (21:23, 25:6, 23:15, 16:17)

TSV: Lucet (16/2 Dreier, 8 Rebounds), Peddy (13/1, 7 Assists), de Kleijn (12/1), Raincock-Ekunwe (11, 8 Reb.), Brunckhorst (10/2), Sten (9), Hindráková (8), Wagner (3/1), Pavel (3). Feldwurfquote: 45 % (32/71); Freiwurfquote: 70 % (14/20); Rebounds: 37 (20 defensiv, 17 offensiv); Turnover: 12; Steals: 13.

HTC: Bellock (16), Fikiel (15, 8 Reb.), Takács (11/1), Greinacher (9), Mersch (6, 6 Assists), Amojo (2), Slavova-Naneva (2), Van der Velde. Feldwurfquote: 46 % (24/52); Freiwurfquote. 75 % (12/16); Rebounds: 31 (22 defensiv, 9 offensiv); Turnover: 22; Steals 7.

Beide Clubs tragen stolz das Gründungsjahr 1880 im Namen, beide entschieden jeweils zwei Viertel für sich. So weit die Gemeinsamkeiten. Ansonsten aber wurden im Spitzenspiel der Damenbasketball-Bundesliga doch wieder eklatante Unterschiede deutlich, die sich dann auch im Ergebnis widerspiegelten. Meister Wasserburg bleibt eine Klasse für sich, und auch der mit Nationalspielerinnen gespickte Herner TC kann die Rolle des Herausforderers nicht glaubwürdig verkörpern. Zumindest konnte er es nicht an diesem Samstagabend in der Badria-Halle.

Aber das hatte Gründe. Whitney Boddie hatte ihre Oberschenkelverletzung nicht rechtzeitig auskuriert und war ebenso in Herne geblieben wie Anna Lappenküper, die für eine Vorabi-Klausur büffeln wollte. So mussten Lea Mersch, durch einen Virus geschwächt, und Ireti Amojo ganz allein die Last des Spielaufbaus tragen. „In dieser Konstellation, mit nur zwei Spielerinnen für die kleinen Positionen, hatten wir von vornherein keine Chance“, ahnte Marek Piotrowski schon auf der Hinfahrt. Und sah sich nach gutem Start im zweiten Viertel bestätigt. „Da hat Wasserburg enorm Druck auf unseren Aufbau ausgeübt, so dass wir große Probleme hatten, den Ball ans Brett zu bringen.“

Die Spielminuten elf bis zwanzig reichten dem ungeschlagenen Tabellenführer, um für klare Verhältnisse zu sorgen und das anfängliche Aufbegehren seines Gastes zu ersticken. Aggressiv, schnell, immer wieder die Systeme wechselnd setzte die TSV-Defensive den Hernerinnen zu, provozierte viele Ballverluste und ließ kaum mehr leichte Würfe zu. Fast mühelos drehte Wasserburg den 21:23-Rückstand aus dem ersten Viertel in ein 35:25 (24.), und als Kristi Bellock und Amojo mit zwei Körben zum 35:29 (15.) noch einmal Herner Widerstandsgeist aufflackern ließen, schlug das Imperium gnadenlos mit einer 11:0-Serie zur 46:29-Pausenführung zurück.

Auch nach Wiederbeginn gönnte sich das Starensemble vom Inn keine schöpferische Pause und baute die Führung langsam, aber stetig aus. Erst als sie sich fest zwischen 26 und 30 Punkten eingependelt hatte, nahm Wasserburg etwas den Fuß vom Gas und Herne konnte vor allem durch Bellock, Katharina Fikiel und Kata Takács noch ein wenig Ergebniskosmetik betreiben. Mehr aber ließ der Meister nicht zu.

Marek Piotrowskis Enttäuschung hielt sich in Grenzen. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten gekämpft und versucht, alles abzurufen“, lautete sein Fazit. „Heute haben uns kleine Leute gefehlt, trotzdem haben wir zwei Viertel gewonnen.“ Mit welchen Mitteln, das hat er sich genau angesehen. „Wir werden die positiven Aspekte rausziehen, und ich denke, wir treffen uns in diesem Jahr noch mal.“ Das hört sich ja doch nach Kampfansage an...

14.02.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

Zurück