Luschige Einstellung der HTC-Damen gibt Rätsel auf

HTC-Damen gefallen sich eine Halbzeit lang als Zuschauerinnen. Die Folge: Eine 64:81-Pleite gegen Bad Aibling. Bradaric führt Firegirls zum Sieg.

Herner TC - Fireballs Bad Aibling 64:81 (13:26, 16:24, 16:10, 19:21)

HTC: Palmer (19/5 Dreier), Bellock (11), Greinacher (9/1), Amojo (7/1), Dikes (6/1), Mahlknecht (6), Van der Velde (3), Kerin (3/1), Takács, Arthur, Pooch, Krizanovic.

Bad Aibling: Bradaric (24/2), Sherbert (14/3), Höötmann (12/1), Forde (10), Pace (8), Recoura (7/1), Schnorr (6), Pölder.

Statistik (HTC - Bad Aibling): Feldwurfquote: 34 % (22/64) - 48 % (27/56): Freiwurfquote: 85 % /11/13) - 71 % (20/28), Rebounds: 37 - 32; Turnover: 22 - 16; Assists: 13 - 6; Steals: 7 - 14; Fouls: 24 - 18.

Die siebenköpfige Fangruppe der Fireballs hatte die Klatschpappen längst weggepackt und es sich im Bus nach Bad Aibling gemütlich gemacht, da steckten Marek Piotrowski und Ondrej Sykora immer noch die Köpfe zusammen und diskutierten, was sie und die HTC-Fans zuvor durchleiden mussten. Aber auch nach gut 20-minütiger Analyse blieb den HTC-Trainern am Spiel ihrer Damen manches rätselhaft. So liefen die Erklärungen vor allem auf ein Wort hinaus: Einstellung.
Er habe starke Aiblingerinnen gesehen, begann Piotrowski mit einem Lob für den Gast. „Aber man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner erlaubt.“ Und erlaubt hatten die Hernerinnen diesmal einiges. „Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit überhaupt kein Gesicht gezeigt, nur Angst. Und wir haben kopflos gespielt“, kritisierte der Headcoach. Wie er sich die luschige Körpersprache erkläre? „Vielleicht haben die Damen den Gegner auf die leichte Schulter genommen, weil sie ja selbst so gut sind“, zürnte Piotrowski und stellte das Spiel in eine Reihe mit den ebenfalls äußerst mageren Darbietungen in Chemnitz und Scheeßel. „Es gibt in dieser Saison kein Spiel in der Liga, das man so nebenbei gewinnen kann. Wenn man einen Gegner nicht von Anfang an konzentriert bekämpft, endet ein Spiel eben so wie heute.“
Ungewollt leistete Piotrowski der laschen Einstellung vielleicht sogar Vorschub, als er die Ansage seines Aiblinger Kollegen Oliver Schmid, in Herne gewinnen zu wollen, mit dem Hinweis auf den 31-Punkte-Hinspielsieg des HTC konterte. Die Firegirls taten jedenfalls alles, um ihren Coach nicht als Lautsprecher erscheinen zu lassen. Nachdem die ersten 15 Sekunden und die Herner 2:0-Führung annulliert wurden, weil in die falsche Richtung gespielt wurde, legten sie durch Angela Pace den ersten Korb vor. Ireti Amojo antwortete zwar noch in der ersten Minute mit einem Dreier und brachte den HTC nach Freiwurfpunkten von Sonja Greinacher mit 7:4 (3.) in Führung, doch danach setzten sich die Herner Ladies zur Ruhe. Drei Minuten vor Schluss kann man sich das mitunter erlauben, aber drei Minuten nach Spielbeginn?
Die Firegirls ließen sich nicht lange bitten und nutzten die Freiheiten, die ihnen die inaktive HTC-Defense ließ, weidlich aus. Dabei entpuppte sich die kleine Lena-Marie Bradaric als echte Anführerin. Gerade war auch ihr zweiter Freiwurf vom Ring zurückgeprallt, da wurde sie jenseits der 6,75m-Linie angespielt, zögerte keinen Augenblick und leitete mit ihrem unerschrockenen Dreier zum 7:7 einen Aiblinger Sturmlauf ein, dem der HTC nur staunend zusah. Während sich die Hernerinnen regelmäßig in der gut abgestimmten und flexibel die Systeme wechselnden Gäste-Defense festrannten und zudem wenig Wurfglück hatten, war bei den Gästen fast jeder Schuss ein Treffer. Aus dem 7:4 wurde bald ein 10:24 (9.), und im zweiten Viertel zogen die Firegirls unaufhaltsam bis zum 29:50-Pausenstand davon.

50 Punkte in einer Hälfte vom Tabellenachten, und das in eigener Halle: Da schmeckte vielen HTC-Fans nicht einmal die Currywurst. Ganz abschreiben aber mochten sie ihr Team noch nicht. Mit Recht. Die Pausenpredigt zeigte Wirkung, der HTC kam aggressiver zurück, versuchte, dem Spiel eine Wende zu geben. Doch Aibling schlug zurück. Kaum hatte Haiden Palmer mit zwei Dreiern auf 42:54 gestellt, da ließen Sherbert und Bradaric sechs Punkte zum 42:60 (29.) folgen.
Im Schlussabschnitt aber kam der HTC dann doch noch einmal heran. Dank Palmer und Kristi Bellock war Herne beim 59:64 (36.) wieder in Schlagdistanz, hätte durch Bellock fast den nächsten Gästeangriff unterbunden und kassierte stattdessen sechs Punkte durch Ford (2+1) und Sherbert. Nach zwei Ballverlusten von Amojo und Bellock war die Partie endgültig verloren. „Heute hat keine einzige Spielerin Normalform erreicht“, stellte Piotrowski ernüchtert fest. Nicht nur er wunderte sich, warum beispielsweise eine gute Werferin wie Amojo nach einem erfolgreichen Dreier in der 1. Minute jeden weiteren Versuch schlicht verweigert hatte. Auch Greinacher blieb nach ihrer Verletzung blass. Damit fehlte dem HTC eine echte Leaderin. So wie Bradaric eine war.

15.01.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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