Meister demonstriert seine Extraklasse

Der Herner TC konnte im Spitzenspiel der Bundesliga den 41. Wasserburger Punktspielsieg in Folge nicht verhindern und kam nur knapp um eine dreistellige Niederlage herum.

Herner TC - TSV 1880 Wasserburg 55:97 (17:26, 14:25, 15:15, 9:31)

HTC: Greinacher (14), Karic (12/2 Dreier), Davis (9/1), Mersch (7/1), Amojo (5), Slavova-Naneva (4), Van der Velde (2), Harris (2), Lappenküper.

Feldwurfquote: 38 % (21/54). Freiwurfquote: 81 % (9/11). Rebounds: 30 (19 defensiv, 11 offensiv).

TSV: Peddy (19/4), Lucet (19/3), Raincock-Ekunwe (17), Bellscheidt (13/3), de Kleijn (11/1), Sten (6), Brunckhorst (5/1), Hindrakova (4), Wagner (3/1).

Feldwurfquote: 53 % (33/62). Freiwurfquote: 85 % (18/21). Rebounds: 32 (23 defensiv, 9 offensiv).

Hernes Basketballerinnen haben ihr Bestes gegeben, aber das war bei weitem nicht gut genug. Gnadenlos machte ihnen der Deutsche Meister klar, dass er keine fremden Götter neben sich duldet und jegliches Aufbegehren im Keim erstickt. Keine Sekunde lang ließ das Wasserburger Starensemble Zweifel an seinem 41. Punktspielsieg in Folge aufkommen, und als sich auch die tapferen HTC-Spielerinnen und die gleichwohl positiv gestimmten Zuschauer längst mit dem Unabänderlichen abgefunden hatten, versuchte der Dominator, ein Zeichen zu setzen und den Emporkömmling aus dem Westen zu demütigen. Doch der Dreierversuch der trefflichen Shey Peddy in vorletzter Sekunde verfehlte den Ring, das Ergebnis blieb zweistellig. Wenigstens das.

Es war im übrigen einer von nur sechs Wasserburger Distanzwürfen, die nicht ihr Ziel fanden. Mehr als zwei Drittel, satte 13 Dreier, flutschten berührungslos durch die Herner Reuse, was auch Marek Piotrowski bass erstaunte. „68 Prozent von 19 Dreiern im Ziel, dagegen kannst du nicht gewinnen“, war auch Hernes Trainer von der Treffsicherheit der Gäste beeindruckt. Doch darin sah Piotrowski beileibe nicht den einzigen Grund für die deftige Niederlage. „Wir sind mit der Härte und der Aggressivität nicht zurecht gekommen“, resümierte er geknickt. „Wasserburg hat uns gezeigt, wie in Europa gespielt wird, und hat jeden kleinen Fehler sofort bestraft.“

Die ersten Punkte markierte zwar Lea Mersch, das 2:0 blieb jedoch die einzige Herner Führung. Schon in der dritten Minute lag der HTC mit 4:10 hinten. Quenice Davis und Ireti Amojo per Dreipunktspiel brachten ihr Team binnen weniger Sekunden noch einmal auf 9:10 heran (4.), aber dann zog der Gast unaufhaltsam davon und schraubte seinen Vorsprung schon beim 9:19 (6.) in den zweistelligen Bereich. Der HTC hielt in der temporeichen und intensiven Partie zwar nach Kräften dagegen, schluckte aber zu viele Dreier und ließ selbst drei, vier eher leichte Korbleger liegen.

Das zweite Viertel bot ein ähnliches Bild. Die Hernerinnen gaben alles, stahlen etliche Bälle und waren im Kampf um die Rebounds nahezu ebenbürtig – doch die größere Klasse besaß eindeutig der Gast, der sich mit schnellen, präzisen Passfolgen immer wieder in gute Positionen brachte. Vor allem US-Guard Peddy drehte nun auf und versenkte allein in diesem Viertel vier Dreier. Während Peddy meist in Ruhe Maß nehmen konnte, mussten die HTC-Damen oft aus der Bedrängnis werfen, was die Quote drückte. Gerade Ireti Amojo, Hernes beste Shooterin, sah fast immer eine Hand vor den Augen, so dass sie später sogar mögliche Würfe verweigerte.

Beim 24:33 (14.) betrug der Rückstand letztmals weniger als zehn Punkte, danach wuchs er kontinuierlich an, bis Wasserburg die erste Hälfte mit einem weiteren 6:0-Run zum 31:51 beendete. Spätestens bei der Pausen-Currywurst war jedem Augenzeugen klar, wer dieses Spiel gewinnen würde.

Das dritte Viertel konnte der HTC immerhin ausgeglichen gestalten (15:15), vor allem dank der Punkte von Sunny Greinacher und von Kapitänin Emina Karic, deren Formkurve steil nach oben zeigt. Allerdings ließ es der Meister in diesem Abschnitt auch ein klein wenig gemächlicher angehen, um im letzten Viertel dann wieder Vollgas zu geben. „Da haben sie uns dann richtig platt gemacht“, gestand Piotrowski ein. Und seine Frage, wie weit der HTC vom Meister weg sei, war klar beantwortet: Sehr, sehr weit.

08.11.2015 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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