Meister zeigt HTC die Grenzen auf

Der TSV Wasserburg beantwortet Kampfansage aus Herne mit einem verdienten 85:71-Erfolg. Herner TC liefert dem Meister aber einen heißen Fight.

Herner TC - TSV Wasserburg 71:85 (17:20, 13:19, 17:24, 24:22)

HTC: Palmer (24/1 Dreier), Greinacher (17), Amojo (7/1), Bellock (6, 11 Rebounds), Karic (6), Takács (3), Dikes (2), Arthur (2), Van der Velde (2), Mahlknecht (2), Kerin.

TSV: Tobin (20), Lucet (16/3), Peddy (13), Fontaine (12), Fikiel (9/1), Deura (8), Tarasava (5/1), Thoresen (2), Worms, Ivanovic.

Statistik (HTC – TSV): Feldwurfquote : 48 % (29 von 60) – 44 % (30/68); Freiwurfquote: 64 % (11/17) – 90 % (20/22); Rebounds: 40 (28 def., 12 off.) – 31 (21 def., 10 off.); Turnover: 15 – 8; Steals: 4 – 10; Fouls: 22 – 15.

Die Kampfansage Richtung Bayern blieb nicht ungehört, und die Antwort hatte sich gewaschen: Im Stile einer Klassemannschaft zeigte der TSV Wasserburg den Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC ihre Grenzen auf. Beim 71:85 bestätigte sich einmal mehr, was seit halben Ewigkeiten Grundkonsens in der Liga ist: Um dem zehnfachen Meister und Doublesieger der letzten drei Jahre beizukommen, muss wirklich alles passen. Das aber war am Samstagabend bei den HTC-Damen nicht der Fall.

Wohl haben sie alles versucht. Haben sich reingekniet, verbissen dagegengehalten, nie aufgesteckt. Und auch das Publikum, zu einem großen Teil wie gewünscht in Weiß erschienen, gab alles, was drin war. Doch manchmal ist alles nicht genug. Dann ist der Gegner einfach zu gut. So wie am Samstag.
Das erkannte auch Marek Piotrowski an. „Die Niederlage geht in Ordnung. Ich glaube aber nicht, dass wir 14 Punkte schlechter waren“, fasste der HTC-Trainer seine Eindrücke zusammen. „Wir haben einen sehr guten Fight geliefert, das war Werbung für Basketball.“ Unzufriedenheit hört sich anders an.

Doch auch wenn es letztlich nur Nuancen waren, die den Ausschlag gaben: Der Meister geriet nie ernsthaft in Gefahr. Während der HTC unter dem Dauerdruck der Wasserburger Defense oft falsche Entscheidungen traf, leichte Lay-Ups verlegte oder den Ball im Eifer des Gefechts ins Nirwana warf, nutzte der TSV jede Schwäche schamlos aus, zeigte individuelle Klasse, mannschaftliche Geschlossenheit und gnadenlose Effektivität. Zwar streuten auch Peddy, Lucet, Tobin und Co. den einen oder anderen Fehlversuch ein, wenn die Gäste die Punkte aber brauchten, passten ihre Würfe einfach: Das jedenfalls war der Eindruck, den alle aus dem Spiel mitnahmen, auch wenn die Statistik bei den Würfen aus dem Feld etwas anderes aussagt.
Gute fünf Minuten schien der HTC auf Augenhöhe mitspielen zu können. Haiden Palmer machte mit sieben Punkten aus einem 4:6 ein 11:8 (5.), vergab dann aber einen Bonusfreiwurf. Die Antwort kam schnell, und sie war schmerzhaft. Tobin mit Dreipunktspiel, Fikiel und Fontaine stellten auf 11:15 (8.), und fortan gab der Meister die Führung nicht mehr her.

Eine kleine Vorentscheidung fiel Mitte des zweiten Viertels, als der HTC fünf Minuten lang ohne Korberfolg blieb, so dass sich Wasserburg mit einem 11:0-Run auf 35:22 (18.) absetzen konnte. „Gegen eine Mannschaft mit diesem Potenzial ist es sehr schwer, so einen Rückstand wieder wegzunehmen“, ahnte Piotrowski das Unheil schon.
Sein Team versuchte es dennoch, kam im weiteren Verlauf immer mal wieder auf acht, neun Punkte heran. Haiden Palmer wühlte sich – häufig erfolgreich – mit dem Kopf durch die Wand, Sonja Greinacher stahl sich unter dem Korb frei oder setzte sich energisch gegen die körperlich überlegenen TSV-Centerinnen durch – zwei Aktivposten in der Herner Offense, denen diesmal die Unterstützung fehlte. Kristi Bellock und Camille Mahlknecht waren durch einen Virus geschwächt, Ireti Amojo oder Ines Kerin fanden zu selten Platz, um aus der Distanz Maß zu nehmen.
So brachte Wasserburg den Sieg ungefährdet ins Ziel. Und die Herner Fans gingen mit einer nicht ganz neuen Erkenntnis heim: Beide Vereine wurden zwar anno 1880 gegründet, aber der Abonnementsmeister ist dem HTC trotzdem ein paar Jährchen voraus.

 

19.02.2017 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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