Mit kleinen Schritten zum großen Ziel

Marek Piotrowski blickt zufrieden auf die Saison zurück. Verletzungspech verhindert bessere Platzierung. Karic, Greinacher, Amojo und Van der Velde bleiben.

Die erste Enttäuschung nach den abschließenden Niederlagen gegen Saarlouis und Marburg ist im Lager der Herner Bundesliga-Basketballerinnen verarbeitet, mit etwas Abstand gewinnen die Verantwortlichen der Spielzeit vorwiegend positive Seiten ab. „Sagen wir mal so: Die Saison war gut, aber nicht sehr gut“, gibt Trainer Marek Piotrowski seinem Team und sich für die letzten acht Monate eine glatte Zwei.

„In der Hauptrunde haben wir als Dritter unser Ziel erreicht, mit Platz drei im DBB-Pokal haben wir eine Medaille geholt, und d as macht uns stolz“, fasst Piotrowski zusammen. „Vielleicht haben wir uns in den Play-offs noch etwas mehr erhofft. Platz vier in der Meisterschaft und Platz drei im Pokal ist aber okay.“

Sicher hätte es auch mehr sein können – vielleicht sogar müssen, schaut man sich den mit fünf deutschen Nationalspielerinnen hochkarätig besetzten HTC-Kader an, dem es viele Insider sogar zugetraut hatten, hinter Serienmeister Wasserburg die zweite Geige in der Bundesliga zu spielen. Aber Erfolg ist im Sport nur bedingt planbar, ganz ohne Glück geht es nicht. Und das lief den Hernerinnen nun wirklich nicht hinterher. Während in der Liga bekannte Neuzugänge wie Lea Mersch, Sonja Greinacher oder Kata Takács voll einschlugen und konstant starke Leistungen abriefen, hatte der HTC mit seinen US-Importen wenig Fortune. Tiffany Porter-Talbert machte sich alsbald wieder aus dem Staub, Alexis Harris verletzte sich in der Vorbereitung, Yolanda Jones brachte eine Knie-Blessur mit und wurde nie richtig fit – und zu allem Überfluss kehrte Quenice Davis, von den Fans geliebte, unumstrittene Königin in der MCG-Arena, von Heimweh geplagt vorzeitig in die Staaten zurück. Erst Ende Januar kamen dann Kristi Bellock und Whitney Boddie – beide deuteten ihr großes Potenzial zwar an, konnten es aber, auch wegen diverser Verletzungen, nicht dauerhaft aufs Parkett bringen.

Das war längst nicht alles. Auch Emina Karic und Radostina Slavova-Naneva fielen monatelang aus, Ireti Amojo musste mehrere Wochen pausieren. „Wir haben immer wieder in neuen Formationen und so gut wie nie komplett trainieren können“, blickt Piotrowski zurück. „Deshalb konnten wir manches dann auch im Spiel nicht so umsetzen. Von daher war es wirklich eine unglückliche Saison.“

Womit er die Vergangenheit auch abhakt und den Blick in die Zukunft richtet: „Ich hoffe, dass die nächste Saison noch deutlich besser wird.“ Dabei kann er sich auf ein Quartett bewährter Spielerinnen stützen, deren Verträge auch für die nächste Saison noch gelten: Kapitänin Emina Karic, Sunny Greinacher und Ireti Amojo, allesamt Nationalspielerinnen, sowie Centerin Caroline van der Velde bilden ein starkes Gerüst, auf das Piotrowski sein künftiges Team stellen kann. Die junge Anna Lappenküper will in den USA Auslandserfahrung sammeln und wird sich bald zwischen zwei Colleges entscheiden. Ob die oft verletzte Malina Sola noch einmal ganz oben angreifen will, ist noch offen.

Wie auch die weiteren Personalien. „Planungen und Gespräche laufen auf Hochtouren. Wir werden bald entscheiden, wem wir welches Angebot machen“, so Piotrowski. Die Zielrichtung dabei ist klar: Der HTC will den nächsten Schritt machen – nach vorn, nicht zurück. So wie in der gerade beendeten Saison.

Denn auch die sieht der erfahrene Coach als wertvolle Etappe auf dem richtigen Weg. Sportlich habe sich der HTC in der Ligaspitze etabliert. „Aber wir sind auch abseits davon wieder ein Stück vorangekommen“, sagt Piotrowski. „Das Interesse wird immer größer, unsere Halle ist meist voll, und die Zuschauer haben oft attraktiven Basketball und immer eine kämpferisch starke Mannschaft gesehen. Das erkennen die Leute an, und das macht auch den Mädels Spaß.“

Und wo Spaß ist, ist auch der Erfolg nicht fern. Auf ein Neues!

03.05.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

Zurück