Perfekter Playoff-Auftakt für den HTC

Der Herner TC überzeugt über weite Strecken des ersten Playoff-Spiels gegen die Halle Lions sowohl offensiv als auch defensiv und fährt mit einer starken Teamleistung ein 87:65 ein.

Herner TC - SV Halle Lions 87:65 (43:33)

Viertel: 23:14, 20:19, 24:18, 20:14.

HTC: Bellock (9), Boddie (19/4 Dreier), Fikiel (6), Greinacher (12), Karic (11/1 Dr.), Lappenkürper (5), Mersch (12/ 7 Ass.), Takács (12/1 Dr.), Amojo (1), van der Velde.

SVH: Engeln (6), Hartmann (2), Henningsen, Horn (2), McCarthy (17/1 Dr.), Müller, Pressley (10), L. Schinkel (2), J. Schinkel (1), Tarasava (23/4 Dr.), Yancheva (2).

Feldwürfe: 31/56 (55%) - 17/59 (28%). Freiwürfe: 19/24 (79%) - 26/33 (78%). Rebounds: 40 (30 def./10 off) - 31 (16/15). TO: 23 - 20. Steals: 15 - 16. Ass.: 19 - 3.

Es gibt Tage, da klappt fast alles – der Ostersonntag in der MCG-Arena war für die Gastgeber aus Herne so einer. Mit mitreißendem Teambasketball schickte der Herner TC die SV Halle Lions im ersten Spiel der Playoff-Serie mit 87:65 nach Hause, feierte das Comeback von Kapitänin Emina Karic und machte einen großen Schritt in Richtung Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Logisch, dass auch der „Goldene Schuss“ im Pausenspiel ins Ziel traf: Der vorher ausgeloste Kandidat Ilko Nanev aus dem Publikum versenkte einen Wurf von der Mittellinie und freute sich über einen Scheck über 500 Euro, die Halle stand Kopf.

Da waren gerade die ersten zehn Minuten um im ersten Spiel der Serie Herne gegen Halle. Und die ließ sich prächtig an: In den ersten vier Spielminuten traf zwar bis zum 6:10 nur Sonja Greinacher, dann aber legte die Herner Offensivmaschine los. Getragen von der dynamischen, furios aufspielenden Kata Takács und der eingewechselten Whitney Boddie zog Herne mit einem 15:0-Lauf davon. Vorne ließ das Team von Marek Piotrowski den Ball laufen, drückte dann im entscheidenden Moment ab. Auf der anderen Seite des Parketts gelang den Lions mehr als sieben Minuten lang kein Feldkorb. Stattdessen sammelte Herne fleißig Steals, verwertete die Gegenstöße eiskalt.

Die einzige Löwin, die dem HTC etwas entgegenzusetzen hatte, war Liga-Topscorerin Sasha Tarasava. Sie traf drei Dreier im zweiten Abschnitt und trug so entscheidend zum zwischenzeitlichen 32:32 nach 17 Minuten bei. Herne ließ sich nicht beirren, eroberte viele Bälle und insbesondere Takács punktete weiter konsequent nach Fastbreaks – ein 10:1-Lauf in drei Minuten ergab den 43:33-Halbzeitstand.

Kleiner sollte der Vorsprung nach der Pause nicht mehr werden. Whitney Boddie war im dritten Viertel mehr als „on fire“. Sie stand, um im Bild zu bleiben, lichterloh in Flammen, traf vier Dreier in diesem Abschnitt. Dazu kam, dass Halle oft zu schnell und zu schlecht abschloss und der HTC die Rebounds unter dem eigenen Korb kontrollierte. Angetrieben von Boddie und Mersch verwandelte sich der HTC dann in eine Tempogegenstoßmaschine, erzielte viele Punkte aus 2-gegen-1-Situationen.

Und wenn die Lions sich mal defensiv formierten, war das auch kein Problem. Egal, wen Marek Piotrowski auf dem Feld hatte: Herne ließ die Kugel schnell und sicher laufen, erarbeitete sich mit tollem Teambasketball immer wieder gute Wurfpositionen, traf mit sicherer Hand. 67:51 nach 30 Minuten.

Tarasava eröffnete den Schlussabschnitt mit einem weiteren Dreier, doch spannend wurde es nicht mehr. Die Lions gerieten in Foulprobleme und Herne spielte sich streckenweise in einen Rausch. Dass das Team dabei manchmal zu viel wollte, überdrehte – vernachlässigbar. Das Publikum hatte Spaß, feierte jede gelungene Aktion mit stehenden Ovationen und am Ende einen ungefährdeten 87:65-Erfolg.

Bezeichnend die Statistiken: Während sich bei Halle 50 Punkte auf drei Spielerinnen verteilten, punkteten fünf Hernerinnen zweistellig. Herne traf 55 Prozent der Würfe, Halle 28. Fast die Hälfte der Herner Punkte fielen nach Assists, diese Kategorie entschied Herne mit 19:3 (!) für sich. HTC-Coach Marek Piotrowski hatte sichtlich Freude an der Leistung seiner Mannschaft: „Es war heute toll, dieses Team zu coachen. Jede Spielerin hat alles gegeben. Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen. Manchmal wollten wir sogar zu viel, wir hatten einige zu leichte Ballverluste. Aber es war eine gute Leistung. Besonders freut es mich, dass Emina Karic heute wieder dabei war.“

Die lange verletzte Kapitänin sorgte bei ihrem Comeback für das emotionale Highlight und erzielte im Schlussabschnitt elf Punkte in sechs Minuten. Darunter auch die letzten des Tages – fünf Sekunden vor Spielende per Dreier. Es gibt eben Tage, da passt einfach alles.

28.03.2016 / WAZ Herne / Philipp Ziser

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