TSV Wasserburg verteidigt souverän den Titel

Ein Turnier, zwei Sieger: Der TSV Wasserburg gewann erneut den DBBL-Pokal, der Herner TC lieferte als Ausrichter sein Meisterstück ab.

Der TSV Wasserburg ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat den DBBL-Pokal durch zwei souveräne Siege verdient verteidigt. Doch auch wenn ihm selbst der erste große Titel verwehrt blieb, hat auch der Herner TC ein Meisterstück abgeliefert. Mit der Ausrichtung des Endturniers hat der rührige Verein mit seinen vielen Helfern eine bundesweit wahrnehmbare Duftmarke gesetzt und im direkten Umfeld beste Eigenwerbung betrieben, die sich noch auszahlen könnte. Das Schild „Ausverkauft“ vor eine Halle stellen zu dürfen, nein: stellen zu müssen, in der Damenbasketball gespielt wird, ist in Deutschland jedenfalls alles andere als alltäglich.

Was drinnen abging in der kochenden MCG-Arena, ließ die Ohren der Besucher klingeln, die Gesichter der vielen Kinder erröten und die Augen der Verantwortlichen glänzen. Tröten und Trommeln trieben den Lärmpegel bis dicht an die Schmerzgrenze, die jungen Damen auf dem Parkett gingen oft noch darüber hinaus und kämpften mit Begeisterung und Leidenschaft um jeden Ball, auch wenn die Situation schier aussichtslos schien. Das war kein kalkuliertes Verwalten von Ergebnissen, das war ehrlicher, heißblütiger und fairer Wettkampf, wie er jedem Sportfreund gefällt. Dem deutschen Damenbasketball tun solche Tage immer gut, dem Herner TC erst recht. Er ist seinem Ziel, sich als Nummer zwei hinter dem über allen thronenden TSV Wasserburg zu etablieren, an diesem Wochenende sicher ein Stück näher gekommen – auch wenn er diesmal noch mit Platz drei vorlieb nehmen musste.

Das aber lag zuvorderst an der Auslosung, die dem HTC schon im Halbfinale das Duell mit dem Dominator vom Inn bescherte. Und der Platzhirsch verteidigte sein Revier mit aller Macht. Von Trainer Bastian Wernthaler perfekt eingestellt und hundertprozentig auf ihre Aufgabe fokussiert, bewiesen die Wasserburgerinnen, dass sie in einem „Do-or-die-Spiel“ noch ein paar Prozent mehr abrufen können als im Liga-Alltag. Was auch immer HTC-Trainer Marek Piotrowski ausheckte, wie sehr sich seine Ladys auch in ihre Aufgabe reinknieten – der Meister ließ den Gastgeber in diesem vorweggenommenen Finale zu keinem Zeitpunkt ernsthaft an der Sensation schnuppern.

Nach zweieinhalb Minuten hieß es schon 2:8, und Piotrowski musste in einer Auszeit nachjustieren. Ireti Amojos Dreier und fünf Punkte der langsam auftauenden Quenice Davis brachten den HTC auf 14:15 (8.) heran, zur Führung aber reichte es weder jetzt – Kitty Müllers Wurf zum möglichen 16:15 landete auf dem Ring – noch irgendwann später im Spielverlauf. Der TSV nahm einen Vier-Punkte-Vorsprung mit ins zweite Viertel, wo er noch einen Zahn zulegte und bis auf 30:19 (14.) davonzog. Diesen ersten zweistelligen Rückstand konnte der HTC erst Mitte des dritten Viertels nennenswert verkürzen, als er beim 41:47 (26.) wieder Kontakt aufnahm.

Erschüttern konnte er den Meister damit aber nicht. Im Gegenteil. Sobald der TSV gefordert war, erhöhte er die Schlagzahl und packte wieder ein paar Punkte auf sein Polster. Vor allem unter den Körben konnten sich Teya Wright und Erica Barnes gegen „Reboundmonster“ Emma Cannon, Tina Sten oder die abgebrühte Anna Jurcenkova nicht durchsetzen. Viel mehr ging über die kleinen Positionen, wo vor allem Amojo immer gefährlich war. Die meiste Unterstützung erhielt sie von Kapitänin Emina Karic, die eine bärenstarke zweite Halbzeit spielte und mit vielen energischen Aktionen einiges dazu beitrug, dass der HTC im Spiel blieb.

Als der HTC mit einem 6:0-Lauf zum 53:58 (32.) ins Schlussviertel startete, keimte auf den Rängen wieder Hoffnung auf, doch noch ins Finale einzuziehen. Die Herner Fans gaben alles, bliesen mit vollen Backen in die Tröten und schlugen ihre Klatschpappen – die Wasserburgerinnen aber blieben eiskalt. Sie konterten mit sechs Punkten zum 53:64 (34.) und gaben den zweistelligen Vorsprung bis zur Schlusssirene nicht mehr her.

Die HTC-Damen hatten ihr Bestes gegeben, aber es reichte nicht – der Gegner war einfach stärker. Marek Piotrowski sah es nicht ganz so.. „Wir haben nicht umgesetzt, was wir spielen wollten. Von Außen war das in Ordnung. Verloren haben wir das Spiel unter den Brettern, wo wir athletisch unterlegen waren“, war derTrainer enttäuscht. Enttäuscht war auch Ireti Amojo: „Wir haben es versucht, aber irgendwie hat immer ein Stück gefehlt. Schade.“

22.03.2015 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

 

Herner TC verpasst Pokalfinale

Nichts wird aus den Traum vom Titelgewinn in eigener Halle – gegen den TSV Wasserburg verpasste der Herner TC verdient das Finale. Im Spiel um Platz 3 geht es am Sonntag gegen Osnabrück.

Es hat nicht ganz gereicht – gegen den haushohen Favoriten TSV Wasserburg hatten die Basketballerinnen des HTC beim TOP4 in der MCG-Arena das Nachsehen. Im Spiel um Platz drei geht es am Sonntag gegen die GiroLive Panthers aus Osnabrück.

88:71 hieß es nach 40 Minuten zwischen den Rhein-Main Baskets aus Langen und den GiroLive Panthers Osnabrück. Beide Teams begannen furios, verteidigt wurde im ersten Viertel kaum: Ständig wechselte die Führung, fast jeder Wurf fiel wie geplant, sowohl bei Zweitligist Osnabrück als auch beim Bundesliga-Neunten, der das erste Viertel mit 25:24 knapp für sich entschied. Im zweiten Abschnitt zeigten die Favoriten dann in der Defensive eine deutlich bessere Leistung und zogen zur Pause auf 40:57 davon.

Osnabrück schaffte es trotz starker kämpferischer Leistung nicht, das Spiel noch einmal spannend zu machen, die Partie war früh entschieden und endete mit dem letztlich verdienten 88:71 (25:24, 26:32, 19:22, 12:9) für die Rhein-Main Baskets.

Osnabrück verkaufte sich allerdings nicht schlecht, für den Zweitligisten war schon das Erreichen des TOP4 ein großer Erfolg.

Der HTC-Traum vom ersten Titelgewinn, dazu in eigener Halle, ist geplatzt. Gegen den TSV Wasserburg, seit Jahren das Überteam im deutschen Frauenbasketball, hätten die Hernerinnen eine perfekte Leistung abliefern müssen – das klappte allerdings nicht. Von der ersten Spielminute an war Wasserburg über die ganze Spieldauer in Führung. Der HTC leistete sich zu viele Fouls, Fehlpässe, Turnover, so dass Marek Piotrowski beim 2:8 schon nach gut zweieinhalb Minuten die erste Auszeit nahm.

Das wirkte nur kurz: Ende des ersten Viertels kam der HTC auf 12:13 heran – das war der kleinste Rückstand. Wasserburg verteidigte stark, unter den Körben waren MVP Emma Cannon und die slowakische 1-95-Frau Anna Jurcenko eine Macht, Herne konnte nicht dagegen halten. 

Aus dem 17:21 nach zehn Minuten wurde ein 32:42 zur Halbzeit. Mal kam Herne auf sechs Punkte ran, mal zog Wasserburg auf fünfzehn davon – wirklich gefährlich wurde der HTC den Riesinnen vom Inn nie, da auch in der Offensive mehrere Mitteldistanz- und Dreipunkt-Würfe aus dem Korb zurückprallten. Nach 40 Minuten stand es 62:74 (17:21, 15:21, 15:16, 15:16). „Wir haben das Spiel unter den Körben verloren“, erklärte HTC-Headcoach Marek Piotrowski nachher.

Gefeiert wurden seine Spielerinnen in der ausverkauften, zur Unterstützung größtenteils in Weiß gekleideten MCG-Arena, trotzdem.

21.03.2015 / WAZ Herne / Philipp Ziser

 

 

Zurück